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Mon, 2010-01-25, 23:28

Freie Software und Kommunikation – Heute: MySQL

by Timm

Oracle wird Sun übernehmen – so viel steht mittlerweile fest.

Das ganze wird die Branche ein bisschen durcheinander schütteln, aber in den letzten Wochen war die Diskussion trotzdem von nur einem Thema beherrscht: MySQL

Desaster!

Es ist schon schwer genug, dem FUD der anderen kommerziellen Hersteller etwas entgegenzusetzen (insbesondere in Unternehmen mit … konservativen Einstellungen gegenüber “kostenloser” Software). Da braucht man nicht unbedingt eine Menge Lichtgestalten aus dem FLOSS-Umfeld, die feste mitmachen.

Vielleicht ist es ja gar nicht Oracles Ziel, MySQL bei nächster Gelegenheit los zu werden. Mal ganz abgesehen davon, dass das eh so einfach nicht geht. GPL und so.
Vielleicht hat Oracle ja wirklich Unternehmerische, Strategische Ziele für das Produkt “MySQL”. So was solls geben.

Klar, die Idee dass Oracle hier bequem die kostenlose Konkurrenz loswerden will liegt nahe – aber es gibt auch gute Argumente, die dagegen sprechen. Was wirklich passiert, wird nur die Zeit zeigen können.

Was aber in jedem Fall kontraproduktiv ist: Das schlimmst mögliche Szenario als das wahrscheinliche darzustellen und kräftig die Angst davor zu schüren. Das tut die Konkurrenz (IBM, Microsoft) schon zur Genüge. Wenn auch noch die eigenen Leute mitmachen muss der Verantwortungsvolle CIO ja nach Alternativen suchen und möglichst schnell das -vermeintlich- sinkende Schiff verlassen.

Wenn man MySQL unterstützen will, wäre positive Kommunikation eindeutig angebrachter. Manchmal soll das herausstellen der Qualitäten eines Produkts sowie die eigene Unterstützung (“MySQL ist super und ich werde es in jedem Fall weiter nutzen und unterstützen!”) bessere Effekte zeigen, als stellt-euch-mal-vor-wenns-das-nicht-mehr-gäbe-Schwarzmalerei. Je größer und selbstsicherer die MySQL-Userbasis ist, desto lohnender ist es für Oracle, hier zu investieren. Verängstigte, unsichere Kunden sind leichte Beute für die Konkurrenz. Auch wenn sie aus demselben Unternehmen kommt.
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Mon, 2010-01-04, 23:02

Buchempfehlung

by Timm

Wer (so wie ich) von Jane Austen in der Schule verschont geblieben ist, hat ja irgendwie schon eine Bildungslücke. Immerhin gibts dazu echte Filme mit bekannten Schauspielern und so.
Bisher gab es da aber immer ein Problem: Scheiße, ist das langweilig.

Glücklicherweise gibt es eine ge-ni-ale Überarbeitung des Klassikers “Pride and Prejudice“. Da wurde der etwas schwülstige Text nicht nur etwas modernisiert, sondern auch um brutale, blutrünstige Zombie-Action erweitert – es stimmt tatsächlich: Untote, Ninjas, Kannibalismus, Martial-Arts-Blutbäder und generell sinnlose Gewalt werten jede Handlung auf.
Plus: Jetzt kann ich beim Thema klassiche englische Literatur aus der Zeit auch mitreden.

Pride and Prejudice and Zombies” ist ganz klar meine Leseempfehlung für 2010! Und es gibt noch mehr…

Tue, 2009-10-20, 20:22

Eine Sauerei

by Timm

Man stelle sich das mal vor: Da hat sich doch die Regierug für sich und ihre Beamten nen anderen “Schweinegrippe”-Impfstoff bestellt als für den Rest der Bevölkerung. Schlimm, das.

Wie kann sowas nur passieren? Zwei-Klassen-Medizin! Die gesamte deutsche Bevölkerung als Versuchskaninchen! Packt schnell die Tinfoil-hats aus! Die Regierung ist hinter uns her! Und die Pharmafirmen sowieso!

Okay, ich kann verstehen, dass so eine Story der feuchte Traum eines jeden “investigativen” Journalisten ist. Es kommt (endlich mal wieder) die Schweinegrippe drin vor, man kann mal wieder schön gegen die da oben wettern und die meisten Leute kennen sich mit diesem Impfgedöns sowieso nicht aus, also brauchen wir auch nicht zu dolle recherchieren.

Aber von vorne an:

1. Die Schweinegrippe wird von der WHO als pandemische Krankheit eingestuft.
2. In allen halbwegs entwickelten Ländern (u.a. auch Deutschland) laufen die Krisenpläne für einen solchen Fall an. U.a. wird zunächst für “kritisches Personal” – in dem Fall Regierungsmitglieder, hohe Bundesbeamte, Militär, Polizei, medizinisches Personal usw. Impfstoff beschafft
3. “Die Regierung” bzw. irgendein Bundesamt bestellt bei Firma X eine entsprechende Menge Impfstoff (das ist dann der “gute”)
4. Ob es eine Impfung für die ganze Bevölkerung gibt und in welchem Umfang ist erstmal noch offen – genauso wie die Finanzierung
5. Dank der vorbildlichen und ruhigen Berichterstattung der Medien (“Oh gott, wir werden alle sterben!”) wird beschlossen, doch genug Impfstoff für das gros der Bevölkerung zu ordern
6. Der Impfstoff bei Firma X ist ausverkauft
7. Es wird anderer Impfstoff bei Firma Y gekauft (das wäre dann der “schlechte” mit diesen schlimmen Wirkbeschleunigern drin)

Bis dahin eigentlich ganz normale Beschaffungspraxis. Beide Impfstoffe werden getestet und zugelassen. Eigentlich kein Problem, sollte man meinen.
Okay, mittlerweile sind wir ein bisschen schlauer. Die Schweinegrippe hat sich nicht als neue Pest herausgestellt, entsprechend hätten wir die große Menge Impfstoff auch nicht unbedingt kaufen brauchen. Aber egal, freut sich halt der Hersteller.
Außerdem sind wohl beide Impfstoffe nicht ausreichend an schwangeren und kleinen Kindern getestet bzw. bei diesen Gruppen besteht ein Restrisiko.

Wie wäre jetzt das angemessene Verhalten in so einem Fall (die Impfung ist an sich sicher aber nicht unbedingt notwendig – in einigen Fällen gibt es ein kleines Restrisiko)?
Also ich kenn das aus meiner Jugend (TM) so, dass man dann sagt: Informier dich bei deinem Hausarzt und entscheide dann für dich, mit welchem Risiko (Nebenwirkung oder Grippeinfektion) du besser leben kannst. Kam mir immer ganz vernünftig vor. Hätte ja auch so in der Zeitung stehen können.

Aber nein – unsere hohen Herren haben für sich ja die Premium-Spritzen gehortet. Und da kann man ja mal schnell bisschen draufhauen. Das man damit die Menschen verunsichert, verwirrt und die Impfpraxis als solche nachhaltig in der öffentlichen Meinung schädigt (ich warte auf die ersten Bild-Interviews: “Also ich lass meinen Sohn nicht gegen Masern impfen. Hab gelesen, da wäre auch das Gift von der Regierung drin”).
Das hat nichts mit Journalismus und Verantwortungsgefühl zu tun.

Ich finde das ne Sauerei.

BTW: Ich bin zwar an sich ein Fan des Impfens an sich, werde mich aber nicht gegen die Grippe impfen lassen, genau so wenig wie in den letzten Jahren.

Sat, 2009-07-18, 22:14

Geschichte mal anders

by Timm

An dieser Stelle mal der Hinweis auf die Orwell-Diaries – George Orwells Tagebuch als Blog – es gibt jeden Tag den Eintrag von vor 70 Jahren.

Liest sich ganz interessant, vor allem jetzt, wos auf den Krieg zusteuert – teilweise gibts auch Scans von Zeitungsausschnitten. Wenn man sich dafür interessiert (oder auch nicht…) wirklich gut.

Tue, 2009-06-30, 19:38

Todeskrampf

by Timm

Bei prominenten Menschen ist der Tod eine besonders ambivalente Sache. Einerseits ist es natürlich schon schade, wenn Leute sterben – andererseits haben wir dann auch was zum drüber Reden. Und die Medien natürlich auch.

Mal ganz ohne Witz: Die ganzen Zeitungen, Fernsehsender und Radiostationen haben doch zu jedem mehr oder weniger bekannten Mensch eine komplette Sammlung an Artikeln, Bildern, Videos, Redebeiträgen, Nachrufen usw. schon komplett fertig kompiliert im Archiv liegen, die beim Tod der Person einfach rausgeholt werden.

Anders ist das Medienecho zu Michael Jacksons Tod einfach nicht zu erklären. Allein SpOn hatte ja binnen 30 Minuten gefühlte hundert Artikel und 20 Bilderserien zum Thema auf der Seite. Nicht, dass uns das irgendwas gebracht hätte. “Micheal Jackson ist an Herzstillstand gestorben – genauere Umstände sind noch nicht geklärt” war das einzig neue, das der geneigte Empfänger wirklich erfahren hat. Hintergrund schön und gut – aber man kanns auch übertreiben.

Aber immerhin scheinen unsere etablierten Medien zumindest für den Standardfall “XY Tod” ganz gut vorbereitet und organisiert zu sein.

Tue, 2009-06-23, 18:17

Generationen und Konflikte

by Timm

Mit der Verabschiedung des Zensurgesetzes letzen Donnerstag und dem darauf folgenden Meinungs-und Medienecho hat die Diskussion um den aktuellen “Generationenkonflikt” ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nicht nur seit der Bundestagsabstimmung über das “Zugangserschwerungsgesetz” wogt der Kampf unerbittlich hin und her. Auf der einen Seite die Internetausdrucker in Politik und den klassischen Medien – auf der anderen Seite die Blogger, Raubkopierer, Kinderporno-Schützer und Umsonst-Mentalitäts-Kulturvernichter.

Internet vs. Alte Säcke könnte man also meinen – so schön einfach macht es uns das Leben zum Glück nicht. Jedes mal, wenn sich eine neue Kulturtechnik durchsetzt, führt das zu Veränderungen. Liegt in der Natur der Sache. Und nun gibt es halt Leute, die diese Veränderungen gut finden und solche, die ihre Interessen durch sie bedroht sehen. Soweit auch nichts neues. Allerdings sollte man auch hier vor allzu viel Schwarz/Weiß-Spielchen Abstand nehmen. Denn im “aufziehenden” “Kulturkampf” haben beide Seiten berechtigte Interessen – es kann also nicht schaden, sich den grundlegenden Konflikt mal genauer anzuschauen.

Was tut das Internet? Um das zu verstehen, sollten wir uns mal in die Welt ohne Netz zurückdenken: Ohne digitale Kommunikation bzw. deren vollständigste Implementierung im Internet steigen die Transaktionskosten der Kommunikation direkt proportional zur Menge der Menschen, die man erreichen will und die Entfernung zu diesen. Entsprechend können privatpersonen nur recht eingeschränkt kommunizieren. Entweder eins-zu-eins (per Post oder Telefon) oder z.B. bei Konferenzen oder anderen Treffen mit einer begrenzten Zahl gleichgesinnter. Alles andere erfordert eine teure Infrastruktur, teure Verfielfältigungstechnik und stetiges Balgen um die ebenfalls begrenzten Funkfrequenzen, Satelliten- oder Kabelkapazität. In diesem System fällt die Kommunikation mit vielen Empfängern einigen wenigen zu: Zeitungsverlagen, Fernsehsendern, Musiklabels, Hollywood-Studios usw.
Das ganze Konstrukt hat ein paar praktische Eigenschaften:

  • Eine Filterung kann an wenigen, zentralen Stellen stattfinden. Unerwünschte Inhalte können schon vor der Verteilung ausgefiltert bzw. auch nachträglich leicht eingedämmt werden
  • Die Informationsversorgung läuft in geregelten, vorausberechenbaren Bahnen. Zeitung morgens, Tagesschau Abends um 8.
  • Das Entlohnungsmodell ist einfach und transparent. Es bezahlt der, der gehört/gesehen/gelesen werden will (Wahlwerbung, Werbeflyer, Flugblätter) oder der, der hören/lesen/sehen will. Oder beide.
  • Das ganze ist eine echte Goldgrube für diejenigen, welche die Infrastruktur für die Verfielfältigung haben.

Wenn mans mal ganz objektiv betrachtet, haben alle Punkte sowohl Vor- als auch Nachteile, sind also nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Also nix schwarz/weiß an dieser Stelle.

So, und jetzt kommen die Informatiker um die Ecke und entwickeln eine Technik, die all das komplett umschmeißt. Das Internet bzw. die auf IP basierenden Dienste reduzieren die Transaktionskosten für Vervielfältigung und Veröffentlich auf praktisch nichts. Mit den aktuell verfügbaren Bandbreiten und techniken wie DynDNS oder p2p kann praktisch jeder praktisch jeden praktisch in Echtzeit für praktisch kein Geld erreichen. Die Auswirkungen sind klar – die oben aufgeführten Wahrheiten gelten auf einmal nicht mehr. Und dessen könn wir uns sicher sein – solange die grundlegende Technik sich nicht ändert (und das wird sie nicht – mittlerweile wird mit und über das Internet SEHR viel Geld verdient) ist das die Grundlegende Wahrheit des 21. Jahrhunderts. Punkt.
Was allerdings noch völlig offen ist, ist die Ausgestaltung dieser Wahrheit. Was wird z.B. aus den Mittlern, die wir früher brauchten? Fernseh & Radiosender, Verlage usw. sind die natürlichen Verlierer. Druckerpressen und Funkfrequenzen haben im Internetzeitalter einfach nicht mehr den ROI wie früher, weshalb diese in ihrer heutigen Form auch vor die Hunde gehen werden. Es sei denn, sie finden andere Betätigungsfelder, für die Leute bereit sind, zu bezahlen. Das ist natürlich viel schwieriger, als einfach das zehnte einzufahren und sich keine Gedanken zu machen – deshalb beschweren die sich im Moment auch (noch) am lautesten. Aber daran hat man sich ja zwischenzeitlich gewöhnt.
Die Jungs sind einfach die Scherenschleifer der heutigen Zeit – ihre Kernkompetenz ist eine Leistung, die keiner mehr braucht.

Gesamtgesellschaftlich gesehen sind die anderen Punkte allerdings viel interessanter, insofern dass es hier Stoff für langwierige Diskussionen gibt. Man kann ja grundsätzlich für jeden Aspekt vier Interressengruppen identifizieren:

  1. Diejenigen, die es noch nicht verstanden oder akzeptiert haben
  2. Diejenigen, die es verstanden haben, der Entwicklung aber entgegensteuern wollen
  3. Diejenigen, die das ganze schon immer scheiße fanden und lieber heute als morgen die totale Freiheit hätten
  4. Diejenigen, die irgendwo dazwischen sind

Fakt ist: Es wird Veränderungen geben.
Die Frage ist: wie soll unsere Gesellschaft mit den neuen Möglichkeiten aussehen? Wie kann ein Urheberrecht in dieser Welt funktionieren? Wie Regeln wir die Vergütung für die “Schaffenden”? Gibt es “unerwünschte” Informationen und wie gehen wir damit um? Wie setzen wir unsere Gesetze in der vernetzten Welt am besten durch? Wie schützen wir unsere Privatsphäre?

Antworten hierauf zu finden wird nicht einfach sein, und ein Patentrezept kann wahrscheinlich wirklich keiner vorlegen. Im moment ist es so wie immer – die Vertreter von Extrempositionen rufen im Moment einfach am lautesten. Insbesondere diejenigen, welche sich nicht anpassen können oder wollen, sind natürlich am lamentieren. Am Ende wird man sich aber wie überall irgendwo in der Mitte treffen müssen. Wir brauchen einen Rechtsrahmen, der den neuen Möglichkeiten des Internet Rechnung trägt, und gleichzeitig die Gefahren eindämmt – auf Basis unserer demokratischen Verfassung.
Allein – diese Diskussion findet auf gesellschaftlicher Ebene noch gar nicht statt.
Stattdessen verstehen es bestimmte Einzelinteressen hervorragend, die Skeptiker in den Verantwortlichen Positionen aufgrund deren uninformiertheit für die eigenen, egoistischen Ziele einzuspannen. Der momentane Konflikt findet also eher zwischen einigen wenigen (bzw. deren egoistischen Zielen) und dem Rest der Gesellschaft statt.
Der wirkliche “Kulturkampf” hat noch gar nicht begonnen. Wobei für das, was uns bevorsteht und teilweise ja schon seit einigen Jahren passiert, durch die Wörter “Generationenkonflikt” und “Kulturkampf” weniger gut beschrieben wird. Es findet eher eine Transformation statt – die Gesellschaft entdeckt langsam die neuen Möglichkeiten und richtet danach Ihre moralisch/ethischen Einstellungen neu aus. Die Gesetzliche Abbildung derselben folgt dann später – das war bisher immer so und wird auch dieses mal so sein.

Alles in allem ist das ein eher friedlicher Prozess – Unter der Bedingung, dass die Mächtigen wirklich an einem Konsens interessiert sind, der von der breiten Mehrheit der Gesellschaft getragen wird. Einen echten “Konflikt” gibt es eigentlich nur dann, wenn die Mehrheit übergangen wird…

Nein, einen Generationenkonflikt gibt es nicht – nur einen Konflikt zwischen den Interessen der Gesellschaft als ganzes und denen weniger einzelner.

Mon, 2009-05-11, 19:35

Wer nicht für uns ist…

by Timm

Obwohl meiner Meinung nach die Befürchtungen und Ängste der Unterzeichner völlig unbegründet sind, begrüße ich doch das Engangement und versichere den Kritikern, dass wir Ihre Argumente ernst nehmen und in den folgenden Anhörungen vor dem Petitionsausschuss – hoffe ich – konstruktiv über das Vorhaben diskutieren werden

Nun ja, sowas in der Art hätte unser Wirtschaftsminister in der Tagesschau sagen sollen. Was Herr von und Zu “Ahnungslos” stattdessen von sich gab, lässt sich mittlerweile an genug Stellen nachlesen bzw. -hören.

Und was das Familienministerium zum Erfolg der Petition sagt, wissen wir ja auch.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ich nehme mir sogar einen Teil meiner kostbaren Freizeit, um “denen” mitzuteilen, dass ich zusammen mit vielen Anderen Sorgen im Bezug auf dieses Gesetz habe. Nach allem, was ich über unser Land weiß, gilt das eigtnlich als löblich und “gutes Bürgerverhalten” – man hört ja genug über Politikverdrossenheit und so.

Und was ist die Reaktion? Ich werde von meinen “obersten Dienern” abwechselnd beschimpft, beleidigt, verleumdet, belogen, nicht ernst genommen und für dumm verkauft.

Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es zahlreiche Minister gibt, die sich so offensichtlich der Arroganz, Inkompetenz und Gleichgültigkeit hingeben und sich so gegen Demokratie sträuben. Das ist nun wirklich eine der wichtigsten Errungenschaften in jeder hinsicht.

Ja, im Moment bin ich sehr Politikverdrossen.

UPDATE: Einen echt treffenden Text dazu gibts im Provinzblog (via Netzpolitik)

Sun, 2009-03-08, 20:45

Die Affäre Tauss

by Timm

Während für die Medien und den Großteil der Bevölkerung die “Affäre Tauss” grundsätzlich schon erledigt sein dürfte, für Ihn selbst und die Staatsanwaltschaft das ganze erst anfängt und sich auch die kritischen Stimmen mehren, muss man sich schon ein bisschen über das ganze wundern.

Zu den Vorwürfen selbst kann ich hier eigentlich noch keinerlei Stellung nehmen – der Fairness halber sollte man Hr. Tauss das Recht belassen, dies als erster zu tun. Aber wenn man sich die Vorgänge außenherum betrachtet, muss man dem Spiegelfechter schon zustimmen: Die ganze Affäre stinkt. Zum Himmel.
Grundsätzlich gibt es ja drei mögliche Szenarien in dem Fall.

  • Tauss ist schuldig. Er hat sich besagten “Content” tatsächlich zum eigenen “Konsum” besorgt. Kann ja durchaus sein – man kann in die Leute nicht reingucken.
  • Er hat das Material wirklich aus beruflichen Gründen und auch der dubiose Kontakt lässt sich damit erklären
  • Er ist unschuldig, und das ganze wurde ihm geschickt von politischen/persönlichen Gegnern untergeschoben

Was davon jetzt stimmt, wird wahrscheinlich nie vollständig herauskommen – für die Wahrheit ist es meiner Meinung nach schon zu spät.
Nehmen wir die bekannten Fakten zusammen – in jedem Fall kommen die Ermittlungen gewissen Leuten gelegen. Und sie bieten den politischen bzw. privaten Gegnern wunderbar Gelegenheit, ihm eins auszuwischen. Dafür spricht schon die exzessive Berichterstattung – irgendjemand hat ein großes Interesse daran, möglichst viele (belastende) Details an die Medien zu verbreiten, die sich natürlich fröhlich an der Hexenjagd beteiligen.

Der bestmögliche Ausgang wäre immer noch, dass Herr Tauss den Besitz des “belastenden Materials” wirklich gut begründen kann. Dafür sehe ich immer noch gute Chancen – die Tatsache, dass der Kram in den Privaträumen gefunden wurde, spricht da nicht unbedingt dagegen (Mal Hand aufs Herz: Wer von euch hat nicht schon mal Arbeit “mit nach Hause genommen”, obwohl ihr es nicht gedurft hättet?) und das ganze wird als Anlass genommen, mal über besagte Hexenjagd-Stimmung nachzudenken. Denn das wäre wirklich mal nötig.

Immerhin besteht auf dem Gebiet in allen Bereichen ein echtes Denkverbot – Echte Informationen gibt es nicht: allein der Versuch, sich zu Informieren macht schon Verdächtig. Sich aus “erster Hand” ein Bild von dem machen, was da so vehement bekämpft wird: Strafbar, Lebensvernichtend.
Kritisch nachfragen: Nur nach vorangestelltem “Disclaimer” möglich. Der Versuch, Transparenz in die Sache zu bringen: Als Unterstützung verfolgt. Der Staat hat hier die absolute Informations-, Deutungs- und Meinungshoheit.
Hinzu kommt, dass dank der neuen Gesetzgebung, SPAM und Viren eigentlich bei jedem ein Verdacht konstruiert werden kann, der dann ja nach guter Tradition die Verurteilung schon vorweg nimmt. Wer die Geschichte ein bisschen kennt oder 1984 gelesen hat, weiß, dass auf solchen Nährböden Totalitarismus hervorragend gedeiht.

Es bleibt zu hoffen, dass – wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist – den Blickwinkel ein bisschen mehr darauf zu lenken.
Allerdings habe ich da wenig Hoffnung. Allein, dass die Variante “Ausschalten politisch unliebsamer Person/Positionen” schon als gleichwertige Option auftaucht sagt schon viel über unsere “Demokratie” aus.
Mein erster Gedanke, als ich die Meldung über die Durchsuchung gelesen habe, war übrigens genau das. Unter normalen Umständen würde ich das als paranoid einstufen. Aber egal, wie lange ich darüber nachdenke: Das Gefühl geht nicht weg.

Irgendwas stinkt hier. Und zwar gewaltig. Und es wird nicht so schnell besser werden.

Wed, 2009-02-04, 21:36

Einstudierte Reflexe

by Timm

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich tatsächlich mal den “alten Ratz” in Schutz nehmen würde. Aber durch meine Abwesenheit den weltlichen Dingen etwas entrückt, hab ich mich in den letzten zwei Tagen doch ein bisschen gewundert und bin tatsächlich ein wenig schockiert.

Nein, nicht darüber, dass der Papst (dessen Anhänger ich offiziell/steuerrechtlich ja bin) irgendeinen wirr daher plappernden Bischof rehabilitiert, sondern über das ach-so-vorhersagbare Medienecho – vor allem in Deutschland.
Hallo? Was ist denn so schlimmes passiert? Der Chef im Vatikan hat eine Ladung (zugebener Maßen streitbare) Leute, die vor ein paar Jahren gegen seinen damaligen Willen rausgeschmissen wurden, wieder in die “Familie” aufgenommen. Wer im kath. Religionsunterricht ein bisschen aufgepasst hat, weiß, dass sowas ein von langer Hand vorbereiteter, eigentlich ziemlich bürokratischer Akt ist. Die Kumpels vom Piusorden haben Ihren Disput mit der offiziellen Kirche geklärt und dürfen sich ab jetzt wieder “katholisch” nennen.
Nur hat einer von denen in Geschichte nicht gut aufgepasst und brabbelt irgendwelchen nachweislich falschen Kram über den Holocaust. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Nur, damit mich keiner falsch versteht (muss man ja leider immer dazu schreiben, um nicht in gewisse Ecken gestellt zu werden): Natürlich hat der Holocaust stattgefunden. Millionen von Juden, Zigeunern (darf man das so schreiben?), Kommunisten, politisch unliebsamen usw. usw. wurden zur Zeit der Nazi-Diktatur auf grausame Weise abgeschlachtet. Wer da leugnet, könnte genau so gut die Existenz Napoleons, die Mondlandung oder die Kugelgestalt der Erde leugnen.

Einzig: Mit der wiederaufnahme in die kath. Kirche hat das eigentlich nichts zu tun. Die nehmen (glücklicherweise) nicht mehr raus, bestimmen zu können, was Ihre Anhänger denken oder sagen dürfen. Eine Identifikation mit den Aussagen kann man entgegen anders lautender Unterstellungen wirklich nicht annehmen.

Aber zurück zum Thema: Es handelt sich also im Grunde genommen also um zwei völlig unterschiedliche Vorgänge – wirklich vorwerfen kann man dem Vatikan nur die stümperhafte Kommunikation und PR – man hätte dort wirklich mit dem Desaster rechnen müssen.

Wow! Kann ich da nur sagen. Wie einstudiert. Wie tausenfach und abertausenfach trainiert.
Anscheindend muss man in unserer Meinungs- und Medienlandschaft einfach nur den richtigen Knopf (Holocaust) umlegen, und man bekommt mit 100%iger Sicherheit einen Sturm der Entrüstung.
Nun ist Benedikt XVI. kein Mann, der nicht polarisiert. Aber:
Er kann Homosexualität als unnatürlich hinstellen: Nichts passiert. (Sind die nicht auch irgendwie in den KZs ermordet worden? Hmmm…)
Er kann der Evangelischen Kirche absprechen, eine echte Kirche zu sein: Kaum Kritik.
Er kann Reformversuche “von unten” gnadenlos ignorieren, abschmettern: Keinen interessierts.
[Weitere ichregemichüberdenPapstauf-Punkte hier dazudenken]

Aber sobald er sich irgendwie in Verbindung mit einem bringen lässt, der den Holocaust leugnet, läuft der Sturm der Entrüstung sofort los wie eine gut geölte Maschine. Selbst “Wir sind Papst”-Bild kritisiert ihn. Kräftig.

Warum sind “wir” so vorhersehbar? Warum ist Judenhetze so viel schlimmer als z.B. Schwulenhetze? Warum ist das leugnen vergangenen Unrechts so viel schlimmer als das begehen tatsächlichen Unrechts?
Warum vernebelt unsere “historische Verantwortung” unseren Blick für täglich stattfindende Diskrimierung? Wie kann man nur so vorhersehbar und unreflektiert auf ein Thema anspringen? Warum denkt keiner daran, dass solche Kampagnen die Menschen vielleicht eher abstumpfen? Warum schalten die Menschen in Deutschland beim Thema “Juden” und “Nazis” das Hirn aus? Ist das nicht auch irgendwie gefährlich?
Warum fordert “meine” Kanzlerin eine Entschuldigung für so etwas und nicht für die ganzen anderen schlimmen Dinge aus Rom?
Warum ist es das hirnlose Geplapper von irgendwelchen Leuten wert, dass ich tagelang echte Nachrichten auf der zweiten Seite suchen muss?

Warum?

Wed, 2008-10-29, 21:42

Ähhhm… nein.

by Timm

Wieso lese ich eigentlich noch SpOn?

In letzter Zeit habe ich eigentlich wenig Probleme mit zu niedrigem Blutdruck – also kanns die Gesundheit schon mal nicht sein. Vielleicht die Contentgefilterte Alternativlosigkeit im Büro? Das wirds sein.

Aber wenn ich so Artikel lese… Mit Viren, Malware und Spam wird Geld gemacht. Zu Lasten der armen, Ahnungslosen Opfer. Und die werden in diesem pöhsen Internetz einfach so infiziert. Wow. Ich bin schockiert. Virenscanner und Software-Firewalls kommen nicht hinterher und sind nervig? Das ist ja mal was neues.
Und die Schlussfolgerung: die armen, armen User sollen von der Industrie vor ihrer eigenen faulheit geschützt werden, indem man ihnen (am besten Webgestützt) Internet- und Briefeschreib-Konsolen vorbaut. Weil: was anderes brauchen die Leute ja nicht.
Wer keine Kontrolle über seine Technik hat, kann sie auch nicht selbst unsicher machen. Weil große Anbieter ja nie Sicherheitsprobleme haben.

Ein klassicher IT-ist-ja-so-schlimm-heulflenn-Artikel, wie man sie eigentlich nicht braucht. Wert = 0. Ich lese so was einfach nicht gern. Es ärgert mich.

Thu, 2008-04-10, 21:20

Selbstironie?

by Timm

Bild hilft Kolumbus

Ähem… Nein. Eben nicht.

Tue, 2008-04-01, 09:05

Neues Design!

by Timm

Groovy, oder?

Okay okay, schaut mal aufs Datum.

Wed, 2008-02-27, 21:48

“Jagt auf ein Phantom”

by Timm

Das Archiv des Spiegel ist echt eine richtig feine Sache.

Kennt ihr diese Video-CDs, die man Leuten zum Geburtstag schenken kann, wo dann aller möglicher Kram aus ihrem Geburtsjahr drauf ist? Nicht ganz selbsttätig bin ich drauf gekommen, dass es vielleicht ganz cool ist, zu wissen, was denn die Zeitungen an meinem Geburtstag so berichtet haben.

Und naja, der Spiegel suchte am 22.04.1985 nach einem Monster.

Was soll man jetzt davon halten?

Jagt auf ein Phantom

Mon, 2008-02-18, 22:12

Linux auf dem Desktop: Eine Preisfrage?

by Timm

Nach einigen – wie immer nicht Zielführenden Diskussionen mit noch-nicht-bekehrten bin ich die Tage auf einen ganz interessanten Artikel gestoßen. Grundaussage ist: Linux verbreitet sich nicht auf den PCs der “normalen” Leute, weil es kostenlos ist. Weil: Kostenlos kann ja nicht so gut sein, wie etwas teures (Windows, MacOS).
Nun ist das Argument genauso neu wie richtig, aber es zeigt wie die Open-Source-Community weiterhin die echten Probleme ausblendet, welche Windows so erfolgreich auf Platz 1 der Betriebssysteme halten.

Das Preis-Argument ist natürlich Unsinn und gesteht den “normalen” Usern sehr viel weniger Verstand zu, als zumindest der Großteil von ihnen hat. Es ist schon ziemlich Arrogant, den Leuten, denen man das System eigentlich nahe bringen will, vorwirft, sie würden es aus niederen Instikten ablehnen. Noch dazu wegen so was irrationalem wie “kostenlos ist schlecht”.
Also wenn ich zu Bekannten, Freunden, Kollegen gehe und denen erkläre, dass (und warum) Linux “besser” (sicherer, stabiler, einfacher…) als Windows ist, glauben die das durchaus. Immerhin kenne ich mich mit der Materie aus. Genauso wie die meisten anderen Linux-Nutzer. Und genau wie meine Bekannten werden die Meisten Menschen den IT-Gurus in ihrer Mitte durchaus abkaufen, dass Linux “besser” ist.
Ich glaube dem Schlosser von nebenan ja auch, wenn der sagt, dass ein Original-Dremel den Aufpreis wert ist oder nicht. Wieso sollte ich ihm also unterstellen, dass er so doof ist und mir nicht glaubt? Mal abgesehen von der “Linux ist überhaupt nicht kompliziert”-Sache – aber das ist wohl auch irgendwie nachvollziehbar.
Nein, das kann wirklich nicht der Grund sein.

Genauso wie die komplizierte Installation, die Bedienung, der schlechte Hardware-Support und die fehlenden Applikationen. All diese Gründe wurden immer vorgebracht, um das “fehlen” von Linux auf dem Desktop zu rechtfertigen.
Nun sind diese Punkte seit geraumer Zeit zum größten Teil ausgeräumt. Und es hat zwar einen Anstieg der User gegeben, aber nicht in dem Maße, wie man das vielleicht erwartet hätte.

Und der Grund dafür ist meiner Meinung nach nicht, dass Linux komplizierter oder sonstwie schlechter ist (in der Tat ist es weit besser als Windows), sondern dass Windows schlicht und ergreifend ausreichend, sprich gut genug ist. Da kann Kile noch so ein toller LaTeX-Editor, APT ein unglaublich geniales Paketverwaltungstool, KDE und Gnome extrem produktive und leistungsstarke Desktop-Umgebungen sein. Mit Windows geht es auch. Und solange die Leute damit auch klarkommen, wird der Großteil nicht wechseln wollen. Denn das kurze Einarbeiten in Linux ist (anscheinend) immer noch mehr Aufwand, als mit Windows einfach weiterzuwursteln. Und wenn die XP-Installation nach 3 Jahren dann nicht mehr will, wird halt ein neuer Rechner gekauft.

Und wenn dann doch mal eine Killer-Applikation um die Ecke kommt (Firefox, BitTorrent) beißt “uns” der Open-Source-Ansatz in den Allerwertesten und die Apps laufen auch unter Windows.

Womit wir beim Kern des Problems angekommen wären: Open-Source Software im allgemeinen und Linux im speziellen sind nicht dazu gedacht, User von Windows “abzuwerben”, wohingegen Windows speziell so entworfen ist, die User mit allen Mitteln zu halten. Da kann man Gründe suchen wie man will, diese simple Wahrheit macht den “Gegner” unbezwingbar.
Wenn wir für Linux wirklich irgendwo nähe 50% Marktanteil wollen (wollen wir das?) reicht es einfach nicht, dass Linux unglaublich viel besser als Windows ist. Es muss zugleich wie Windows sein. Und das kann ja wohl keiner wollen.

Statt sich also mit komischen Theorien darüber aufzuhalten, wieso Joey Sixpack auf seiner Daddelkiste kein Ubuntu will, sollte man daran arbeiten, Linux da zu verbreiten, wo es den Leuten einen echten Vorteil bringt: Allen voran Schulen, aber generell bei Behörden, gemeinnützigen Organisationen, Menschen, die noch nicht Windows-Verseucht sind und sich den sprichwörtlichen Format C:-PC alle drei Jahre nicht leisten können.

Hier kann man wirklich etwas bewegen.

Wed, 2007-12-19, 17:59

Eine schöne Aktion – oder?

by Timm

Ein großer Hessischer Weihnachtssender hat im Moment eine große Weihnachtsaktion laufen, bei der per SMS für soziale Zwecke gespendet werden kann. An sich eine schöne Sache, nur bei der Aktion, die diese Woche unterstützt wird, ist mir mal wieder bewusst geworden, wie asozial und heruntergekommen unsere Gesellschaft mittlerweile wieder geworden ist.

Unterstützt werden die “Tafeln”, um Kindern zu helfen, die nicht genug zu essen haben. Solche Kinder gibt es. Und nicht in zu kleiner Zahl.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
In der Bundesrepublik Deutschland, dem drittreichsten Land auf diesem Planeten, dass per Verfassungsauftrag ein “sozialer Staat” sein soll, hungern Kinder im Jahre 2007. Jeden Tag. So sehr, dass sie auf Almosen anderer Bürger angewiesen sind.
Und Bevölkerung, Medien und Politik akzeptieren diesen Zustand. Einfach so. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, wird noch an die Spendenbereitschaft der Menschen appelliert, die ihre Kinder (noch?) ernähren können. Man könne ja mal ein bisschen Engagement für die Mitmenschen zeigen.

Und gleichzeitig will man Kinderrechte ins Grundgesetz aufnehmen. Und immerhin: der Aufschwung kommt bei den Menschen an. Na dankeschön.

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