Ich melde mich heute ausnahmsweise mal aus einem Internetcafe, dass liegt daran, dass wir hier (mal wieder) ein verlängertes Wochenende haben
Islamisches Neujahr oder so – und ich wollte nicht schon wieder 4 Tage lang komplett auf “die Welt” verzichten.
Na jedenfalls ist der Sonntag wieder mal frei. So langsam komm ich auf den Geschmack, hier zu arbeiten
Außerdem hab ich gehört, in Deutschland wärs die Nacht auf Freitag ein bisschen windig gewesen ;). Ist wieder typisch – ich verpasse die ganze Aufregung. Deshalb bin ich eigentlich hier.
Ich bitte ausserdem um Erfahrungsberichte (Kommentiert! Zack-Zack!), ich finds nämlich nicht so toll, heim zu kommen und den kompletten Ort “umdekoriert” vorzufinden
Aber erstmal, hier der Wochenend-Rückblick:
Freitag
Gestern Abend waren wir ein bisschen in Downtown unterwegs, um das Kairoer Nachtleben ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen.
Glücklicherweise gibts in den Bars und Clubs hier entgegen aller Unkenrufe Alkohol, und man kann es sich da schon ziehmlich gut gehen lassen – bzw. könnte, wenn die Bedienungen nicht so lahm wären.
Na jedenfalls bin ich heute Früh pünktlich zum Morgengebet (05:14, um genau zu sein) ins Bett gefallen und hab entsprechend den restlichen Tag praktisch verschlafen.
Nach dem Aufstehen, also Abends, sind wir noch mal für ein paar Stunden in die City Stars Mall verschwunden, aber haben uns da auch nicht allzu lange rumgedrückt. Nur was gegessen und kurz ein paar Sachen eingekauft, das wars.
Jetzt gehts früh ins Bett, morgen machen wir (endlich!) unsere Pyramidentour.
Samstag
Gizeh – Sakkara – Dashour.
Dutzende Pyramiden. In allen Formen und Größen.
Ganz toll!

Gizeh war jetzt nicht sooo super-neu, man kennt ja eigentlich alles aus irgendwelchen Filmen, Büchern, Postkarten usw.
Aber trotzdem: Selbst da zu sein und sich ein eigenes Bild von dem ganzen Gelände zu machen ist irgendwie was anderes.
Außerdem weiß ich jetzt, dass die Pyramide mit der lustigen Spitze gar nicht die Cheopspyramide ist – wieder was gelernt
Alles sehr schön und interessant, das einzige was stört sind die Souvernir-Verkäufer, Kamelreiter und “Take-a-10LE-Photo”-”Beduinen”, die so anhänglich sind wie Sekundenkleber an der Backe und auch genau so erwünscht.
Glücklicherweise können wir mittlerweile ein paar Brocken Arabisch und wenn man die Jungs ein bestimmtes “La!” (Nein!) entgegenraunzt, sind sie meistens auch relativ schnell verschwunden.

Die berühmte Stufenpyramide von Sakkara (die älteste “echte” Pyramide in Ägypten) ist nur 40 Minuten von Gizeh entfernt und natürlich ein Teil des Pflichtprogramms.
Nicht nur ist die Pyramide und die angrenzenden Anlagen sehr sehenswert, auch führt der Weg dahin praktisch parallel zum Nil und man bekommt tatsächlich was grünes zu Gesicht – Palmenhaine, Felder, Wiesen – das hatte ich bisher vermisst.
Außerdem liegt Sakkara direkt am Anfang der Wüste. Hier ist die Luft RICHTIG sauber und der Blick grandios. Später wurde es richttig klar, und mann kann bis zu den Pyramiden von Gizeh und Dashour sehen, inklusive tonnenweise kleineren Pyramiden dazwischen. Den tollen Blick übers Niltal brauche ich wahrscheinlich nicht erwähnen.
Lunge und Augen sind zufrieden

Nach einer stärkenden Malzeit in einer typischen Touri-Absteige (das echte ägyptische Essen jagt mir noch immer kalte Schauer über den Rücken und Schmerzen durch den Verdauungstrakt) konnte es weitergehen zu unserer letzten Station:
Dashour.
Hier steht die ebenfalls recht bekannte “geknickte” Pyramide – ein weiterer Zeuge der Ägyptischen Lebensart: “Hmmm, probiern wir mal nen steilen Neigungswinkel. Scheiße, hält net. Was mache mer jetz? Ach, baut den Rest halt en bissi flacher feddisch, der Alte is eh schon hin und meckert nich mehr.”
Deutlich interessanter als die Pyramide sind allerdings die Leute, die außenrum leben. Hier ist man wirklich und endgültig in der 3. Welt angekommen.
Die Pyramide (und eine “normale” direkt nebenan) kann man auch von innen besichtigen, aber nach 5 Metern in dem Gang meldeten sich bei mir sowohl die Bandscheiben (*aua*, ich werd alt) als auch – viel schlimmer – die leichte Klaustrophobie, und ich etschloss mich, draußen zu warten und die Aussicht zu genießen.
Es kam außerdem ein bisschen Wind auf, was das ganze sehr angenehm machte (Im Gegensatz zu der stickigen, heißen Enge innen drin). Zwar hatte ich hinterher die halbe Sahara in den Augen (die andere Hälfte ist noch immer in der Kamera… Argh!), aber schön wars trotzdem, zumal man von hier auch einen tollen Blick auf die anderen Pyramiden hat.
“Vor diesen Bauwerken fürchtet sich selbst die Zeit, und alles andere auf der Welt fürchtet die Zeit” – das hat sinngemäß 1001 Nacht über die Pyramiden zu sagen. Und ich muss zustimmen – 4000 Jahre ist ne lange Zeit. Und selbst wenn von unsere Wolkenkratzern, Shopping-Malls und Flughäfen nur noch Betonbrocken und rostiger Stahlschrott übrig sind, werden die Pyramiden wahrscheinlich immer noch da sein.
Ich komme bei so was immer ein bisschen ins Grübeln. Die Pharaonen ließen die Pyramiden bauen, damit sie nicht vergessen werden. Ich nehme mal an, der Plan ist aufgegangen.
Aber ist das wirklich, wie man sich an jemanden erinnern sollte?
“Cheops? Ja, genau, das war doch der Typ, der nen großen Haufen Steine hat aufschichten lassen”.
Also ich wöllte nicht so von den folgenden Generationen in Erinnerung behalten werden…
Im Moment regnets uebrigens, was hier in Kairo durchaus mit der Apokalypse gleichgesetzt werden kann – sehr lustig, das
Jedenfalls meld ich mich wieder, wenn ich am Montag im Büro bin. Dann gibts auch neue Bilder.
So long – and thanks for all the fish!