Wer schon so lange online unterwegs ist wie ich, kennt die Situation vielleicht: Über die Jahre hat man einige Iterationen von Instant-Messaging und sonstigen sozialen Diensten durchlaufen.
Erinnert sich noch jemand an ICQ? Ja, genau – da war ja mal was.

Das Problem ist, dass ich in so ziehmlich jedem Netzwerk auch Kontakte angesammelt habe, die den jeweiligen Dienst immer noch tapfer nutzen. Und ich bin auch keiner, der so alte Zöpfe einfach mal abschneidet. “Tschöö, ihr findet mich jetzt im Fratzenbuch” ist irgendwie nicht mein Stil – von goldenen Käfigen halte ich nicht viel. Das muss auch anders gehen. Und außerdem bin ich eigentlich ein Instand-Messaging-Fan. Und noch dazu einer, der das im Browserfenster nicht so prickelnd findet – mit nem echten, guten Client kann halt doch keine Webseite konkurrieren.

In diesem ganzen Umfeld hatte ich viele Jahre mit XMPP/Jabber eine Heimat gefunden. Zunächst mal offen, viele Features, mit vielen guten Clients. Keine Werbung. Ich kann meinen eigenen Server haben. Und dank der coolen Transporte ist auch ein Einbinden der “alten” Kontakte aus ICQ & Co. problemlos möglich. Obwohl es sehr viele sehr gute Multi-Protokoll-Clients gibt, hat mich das mit den vielen Zugängen in einer GUI nie so wirklich überzeugt.

Tja, und jetzt will das ganze natürlich auch Mobil funktionieren. Als Android-User bin ich mittlerweile ein echter GTalk-Fan geworden – Hand aufs Herz: Das ist der einzige wirklich gute XMPP-Client für die Plattform. Die anderen futtern entweder Akku ohne Ende, haben ein beknacktes UI oder integrieren sich nicht so sauber ins System, wie man sich das wünschen würde.
Leider kann man sich mit dem GTalk-Client nur zu google verbinden. Andere XMPP-Anbieter bleiben – natürlich – außen vor (warum eigentlich?).

Was also tun?

Praktischerweise hat Jabber/XMPP ja die oben beschriebenen Transporte. Damit kann man, platt gesagt, über den XMPP-Server in andere Netzwerke kommunizieren. Der eigene Client braucht dazu nur die XMPP-Verbindung zu kennen. Das Ganze gibt es nicht nur für ICQ, MSN usw., sondern auch für – Trommelwirbel – XMPP!
Das Zauberwort heißt hier J2J – damit kann man über einen XMPP-Server auf ein Konto auf einem anderen zugreifen. Ziemlich cool. Hiermit ist die Lösung echt einfach. Wie man Jabber-Transporte über GTalk nutzt, ist im Web zur Genüge beschrieben, deshalb hier nur die kurze Zusammenfassung:

  • Mit einem anderen Client als dem von google am GTalk-Server anmelden – z.B. mit PSI
  • Über die Dienste-Funktion auf dem Zielserver den J2J-Dienst registrieren
  • Einmal anmelden

Und das war es schon! Seitdem integrieren sich meine Kontakte sauber in die Kontaktliste im GTalk, und ich kann alle bekannten Funktionen nutzen und ohne gefrickel oder 12 Clients auf dem Smartphone auch mit meinen ICQ-Kontakten chatten.
Netter Bonus: Ich kann das im Zweifel auch über die Google-Webseite tun.