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Sat, 2011-05-07, 20:54

Volkszählung 2011: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!

by Timm

Eigentlich stehe ich ja der diesjährigen Volkszählung nicht so uneingeschränkt ablehnend gegenüber wie viele Andere. Obwohl ich denke, in Art und Umfang der Datensammlung wäre man auch auf besserem Weg ans Ziel gekommen, lehne ich das Unterfangen nicht grundlegend ab. Entsprechend war auch meine Entscheidung, den Fragebogen wahrheitsgemäß auszufüllen, möglichst ohne Interviewer und so, dass ich nicht allzu viel verrate, was “die da” nicht eh schon wissen. Ansonsten wollte ich mit der Ganzen Aktion eigentlich so wenig wie möglich zu tun haben.

Naja, der Teufel ist ein Eichhörnchen und ich habe natürlich das Glück, tatsächlich so einen Fragebogen ausfüllen zu dürfen. Allerdings werde ich nun doch etwas darüber schreiben müssen: Ihr werdet schon sehen, warum.

Alles begann an einem sonnigen Freitagabend im März. Wie sichs gehört, sitze ich mit Freunden bei Wurst und Bier auf dem Balkon. So gegen 19:30 steigt ein älterer Herr vor unserem Haus aus dem Auto und fragt, ohne sich vorzustellen, wer von uns denn Timm Hofmann sei. Nichts böses ahnend melde ich mich und bekomme von ihm ein Paket mit einigem Papier ausgehändigt. Dem Fragebogen im verräterischen blass grün entnehme ich, dass ich offensichtlich bei der Volkszählung mitspielen darf. Schatz bekommt auch noch ein solches Päckchen in die Hand gedrückt und ohne weiters ein Wort zu verlieren fängt der Mann an, die restlichen Mieter im Haus an die Tür zu holen. Aus dem “Off” bekomme ich noch mit, wie er meine Freundin fragt, ob wir denn Hilfe beim ausfüllen bräuchten.

Ach ja: bei den Mitmietern, die nicht da sind, legt er die Bündel vor der Tür ab.

Okay, dass ich mich mit dem grundlegenden Prozedere eigentlich vertraut bin behalte ich für mich und schaue mir stattdessen mal an, was der Osterhase etwas verspätet so mitgebracht hat:

  • Ein nicht-persönliches Anschreiben (Betreff: „Zensus 2011 –Haushaltebefragung“), datiert auf Mai 2011
  • Einen nicht adressierten, leeren Briefumschlag (mit Vordruck „Zensus 2011“)
  • Eine Terminankündigung, allerdings ohne genannten Termin, sondern mit dem Vermerk „nach tel. Absprache“
  • Eine Informationsbroschüre „Kurzinformation für Befragte“
  • Einen an die Erhebungsstelle adressierten Rückumschlag
  • Einen Fragebogen „Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis zum Zensus 2011“ inkl. Unterrichtung nach §17 Bundesstatistikgesetz

Was mich stutzig macht: Außer einem Handschriftlichen Vermerk auf dem leeren(!) Briefumschlag (ich nehme mal an, da gehört normalerweise das Anschreiben rein) taucht nirgendwo eine Information auf, dass ich wirklich der Empfänger bin. Das Anschreiben selbst ist eher im Stil einer Postwurfsendung an “die Auskunftspflichtigen” adressiert. Auch auf dem Fragebogen oder dem Rückumschlag steht nichts, was mir irgendwie formell korrekt bestätigen würde, dass das alles seine Richtigkeit hat und ich wirklich diesen Bogen ausfüllen und an die angegebene Adresse schicken muss.

Immerhin liegt eine Informationsbroschüre vom statistischen Landesamt bei, die mir verrät, dass der komplette Vorgang bis zu diesem Punkt komplett dem vorgeschriebenen Vorgehen widerspricht.
Normalerweise hätte ich das Anschreiben und die Broschüre deutlich vor der Terminvereinbarung und erst recht vor dem Besuch durch den Erhebungsbeauftragten mit dem Fragebogen bekommen müssen. Insbesondere hätte das, so wie ich das sehe, nicht 3 Tage vor dem Stichtag passieren dürfen. Fristgerecht ist in meinen Augen was anderes…

Aber fassen wir meine Beobachtungen noch mal zusammen:

  • Ich habe den Fragebogen und die ganzen Unterlagen ohne jede Überprüfung meiner Personalien erhalten. Wir standen zu diesem Zeitpunkt mit 5 Personen auf dem Balkon, 4 davon Männer in meinem Alter. Im Prinzip hätte das Ding also jeder mitnehmen können, ich hätte das im schlimmsten Fall noch nicht mal mitbekommen
  • An keiner Stelle wurde mir deutlich gemacht, dass hier ein Verwaltungsakt vollzogen wurde. Ich musste den Erhalt der Unterlagen noch nicht mal quittieren.
  • Ich werde in einem knappen Schrieb auf eine Auskunftspflicht aufmerksam gemacht, mir wird sogar mit Strafe gedroht – ohne dass da mein Name irgendwo drauf steht!
  • Eine direkte telefonische Abstimmung eines Termins mit dem Interviewer entspricht nicht dem in den öffentlichen Informationsquellen genannten Vorgehen. Ich hätte zunächst eine Terminankündigung bekommen müssen.
  • Stichtag für die Zählung ist der 09.05., die Befragung soll regulär ab dem 15.05. erfolgen – und ich habe die erste Information überhaupt darüber am 06.05. bekommen, zu einer Zeit, in der sehr viele Menschen Freitags vermutlich nicht zu Hause sind.

Ich kenne die Gesetze zu dem Ganzen nicht gut genug, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man auf der Basis schon mal Widerspruch einlegen könnte, zumindest wegen Form und Frist der Benachrichtigung.
Außerdem hat die Aktion mein Vertrauen in den weiteren Ablauf nicht unbedingt gesteigert. Wenn schon bei der Information und Terminvereinbarung so schlampig vorgegangen wird (ein anderes Wort fällt mir leider nicht ein), was soll ich dann erst von der Aufbewahrung, Übermittlung und Auswertung meiner sensiblen, personenbezogen Daten erwarten?

Also im Moment erwarte ich nur das beste…

Jedenfalls habe ich erst mal einen Brief an die zuständige Stelle (als Ansprechpartner auf dem Anschreiben genannt) aufgesetzt. Die sollen mir jetzt erst mal formell korrekt bestätigen, dass ich tatsächlich den Fragebogen ausfüllen muss. Mal schauen, was da an Antwort kommt. So wie bisher jedenfalls – da könnte ja wirklich jeder kommen.

Briefumschlag Zensus 2011

Hier mal ein Bild des Briefumschlages. Der sieht noch genau so aus, wie ich ihn bekommen habe. Leer, unverschlossen und handschriftlich adressiert – noch nicht mal die vollständige Adresse hat es bis drauf geschafft.

UPDATE (2011-05-31)

Habe heute eine Antwort erhalten. Eine Standard-Antwort. In der auf keine meiner Fragen eingegangen wird. Per eMail.
Aber immerhin habe ich jetzt eine Telefonnummer. Morgen gleich noch mal nachfragen, ob die den Brief a) gelesen und b) verstanden haben.

10 Comments »

  1. [...] Zweifelhafte Praktiken der Fragebogen-Verteilung. Darüber schreibt Timm Hofmann in seinem Blog. [...]

    Pingback by Kurz vor Start: Allgemeines Unwohlsein « #zensus11 – Stoppt die Vollerfassung! — Sat, 2011-05-07 @ 22:39

  2. Also wenn bei mir jemand vorbei kommen würde für die Volkszählung ich würde den gar nicht ins Haus rein lassen und auch nicht die Tür aufmachen.
    Wenn er die Unterlagen dann in den Briefkasten wirft, würde ich wahllos alles mögliche ankreuzen und danach alle Nummern auf den Bögen unkenntlich machen sodass nicht mehr nachvollziehbar ist wer ausgefüllt hat. Dann per Einschreiben Rückschein abschicken mit einem Zeugen und fertig. Kein Absender angeben, sodass es wirklich anonym ist. Dann können Sie gar nichts machen

    Comment by Hasseroeder — Sun, 2011-05-08 @ 11:38

  3. @Timm: wenn es nicht persönlich zugestellt wird, kannst du auch einfach behaupten dass die unterlagen nicht bei dir angekommen sind. Die müssen ja beweisen dass Sie zugestellt haben. wenn da nur einer allein kommt steht aussage gegen aussage.

    Comment by Hasseroeder — Sun, 2011-05-08 @ 11:43

  4. @Timm: und es muss natürlich eine angemessene Frist eingeräumt werden zur Beantwortung. drei Tage ist sicherlich zu kurz. Angemessen wären 2 Wochen.

    Comment by Hasseroeder — Sun, 2011-05-08 @ 11:45

  5. Also Wahllos alles mögliche ankreuzen ist denke ich eine schlechte Idee – erstens sind falsche Informationen in den falschen Händen mindestens genau so gefährlich wie richtige. Außerdem werden die Daten z.B. mit denen vom Meldeamt abgeglichen – wenn man da Blödsinn reinschreibt, gibts wahrscheinlich hinterher nur noch mehr Ärger.

    Zum Thema Frist verstehe ich das so, dass die Antwort bis zum 31. Juli erfolgen muss und der Besuch durch den Volkszähler irgendwann ab dem 15. Mai stattfinden sollte – zeitlich also weniger das Thema. Allerdings ist der gesamte Ablauf halt nicht eingehalten worden, und die Benachrichtigung war wahrscheinlich nicht fristgerecht – in anderen Bereichen sind normalerweise mindestens zwei Wochen vorher (also in dem Fall spätestens 29. April) vorgesehen.

    Comment by Timm — Sun, 2011-05-08 @ 16:17

  6. Hat der Typ denn irgendeinen irgendwie offiziell aussehenden Ausweis gezückt? Sonst war das vielleicht nur ein Werbeblättcheneinschmeißer, der jetzt mit dieser Masche neue Werbekundendaten erheben soll.

    Comment by Nö — Mon, 2011-05-09 @ 08:35

  7. Also wir haben unseren Wohnungs/Hauseigentümerfragebogen in einem großen Umschlag bekommen, Name und Anschrift stand auf dem Fragebogen, eine Fragenbogennummer mit Aktivierungscode ist ebenfalls vorhanden.

    Als Frist stand da was von zwei Wochen.

    Comment by LG — Mon, 2011-05-09 @ 10:25

  8. Nein, da kam kein Ausweis – weder offiziell noch sonstwie aussehend ;-) Und genau aus dem Grund hab ich jetzt erst mal nen förmlichen Brief an die Kreisverwaltung geschickt. Bevor ich denen irgendwas beantworte sollen die mir erst mal ne formell korrekte Antwort geben.

    @LG: Ja, Eigentümer in meinem Bekanntenkreis sind auch ordentlich angeschrieben worden. Macht die Sache nicht besser…

    Comment by Timm — Mon, 2011-05-09 @ 20:28

  9. Also bei mir lagen 5 Briefe im Briefkasten. Keiner war an mich adressiert.
    Inhalt war eine Terminankündigungskarte (Freitag 18 Uhr), ein Informationsblatt, Auszüge aus dem Zensusgesetz und eine Erstankündigung für nicht-sensible Sonderbereiche. Aber KEIN Fragebogen.

    Muss ich denn jetzt zu dem angegebenen Termin anwesend sein? Wenn ich nicht da bin, was passiert im schlimmsten Fall?
    Wie kann es sein, dass kein Brief direkt an mich gerichtet ist? Da könnte ja mein Nachbar seinen Brief bei mir reinschmeißen….

    Comment by kokett — Mon, 2011-05-09 @ 21:30

  10. Bei mir in Hessen kam die erste Ankündigung in einem unverschlossenen, handschriftlich mit meinem Nachnamen versehen Umschlag im Briefkasten (ohne Fragebogen, nur Terminankündigung auf “nächsten Samstag”, plus ein paar Infoblätter, kein persönliches Anschreiben, dass überhaupt meine Person als Auskunftspflichtiger gemeint ist. Vorname wäre ja schonmal nett gewesen, Anschrift vielleicht auch.)
    Ach ja, und das kam mitte (!) August.
    Also mehr als 3 Monate nach besagtem Stichtag.

    Mal schauen, ob ich mich überhaupt erinnern kann, was damals war. Ich bin so vergesslich in letzter Zeit.

    Comment by jachenbach — Mon, 2011-08-29 @ 19:57

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