Eigentlich stehe ich ja der diesjährigen Volkszählung nicht so uneingeschränkt ablehnend gegenüber wie viele Andere. Obwohl ich denke, in Art und Umfang der Datensammlung wäre man auch auf besserem Weg ans Ziel gekommen, lehne ich das Unterfangen nicht grundlegend ab. Entsprechend war auch meine Entscheidung, den Fragebogen wahrheitsgemäß auszufüllen, möglichst ohne Interviewer und so, dass ich nicht allzu viel verrate, was “die da” nicht eh schon wissen. Ansonsten wollte ich mit der Ganzen Aktion eigentlich so wenig wie möglich zu tun haben.

Naja, der Teufel ist ein Eichhörnchen und ich habe natürlich das Glück, tatsächlich so einen Fragebogen ausfüllen zu dürfen. Allerdings werde ich nun doch etwas darüber schreiben müssen: Ihr werdet schon sehen, warum.

Alles begann an einem sonnigen Freitagabend im März. Wie sichs gehört, sitze ich mit Freunden bei Wurst und Bier auf dem Balkon. So gegen 19:30 steigt ein älterer Herr vor unserem Haus aus dem Auto und fragt, ohne sich vorzustellen, wer von uns denn Timm Hofmann sei. Nichts böses ahnend melde ich mich und bekomme von ihm ein Paket mit einigem Papier ausgehändigt. Dem Fragebogen im verräterischen blass grün entnehme ich, dass ich offensichtlich bei der Volkszählung mitspielen darf. Schatz bekommt auch noch ein solches Päckchen in die Hand gedrückt und ohne weiters ein Wort zu verlieren fängt der Mann an, die restlichen Mieter im Haus an die Tür zu holen. Aus dem “Off” bekomme ich noch mit, wie er meine Freundin fragt, ob wir denn Hilfe beim ausfüllen bräuchten.

Ach ja: bei den Mitmietern, die nicht da sind, legt er die Bündel vor der Tür ab.

Okay, dass ich mich mit dem grundlegenden Prozedere eigentlich vertraut bin behalte ich für mich und schaue mir stattdessen mal an, was der Osterhase etwas verspätet so mitgebracht hat:

  • Ein nicht-persönliches Anschreiben (Betreff: „Zensus 2011 –Haushaltebefragung“), datiert auf Mai 2011
  • Einen nicht adressierten, leeren Briefumschlag (mit Vordruck „Zensus 2011“)
  • Eine Terminankündigung, allerdings ohne genannten Termin, sondern mit dem Vermerk „nach tel. Absprache“
  • Eine Informationsbroschüre „Kurzinformation für Befragte“
  • Einen an die Erhebungsstelle adressierten Rückumschlag
  • Einen Fragebogen „Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis zum Zensus 2011“ inkl. Unterrichtung nach §17 Bundesstatistikgesetz

Was mich stutzig macht: Außer einem Handschriftlichen Vermerk auf dem leeren(!) Briefumschlag (ich nehme mal an, da gehört normalerweise das Anschreiben rein) taucht nirgendwo eine Information auf, dass ich wirklich der Empfänger bin. Das Anschreiben selbst ist eher im Stil einer Postwurfsendung an “die Auskunftspflichtigen” adressiert. Auch auf dem Fragebogen oder dem Rückumschlag steht nichts, was mir irgendwie formell korrekt bestätigen würde, dass das alles seine Richtigkeit hat und ich wirklich diesen Bogen ausfüllen und an die angegebene Adresse schicken muss.

Immerhin liegt eine Informationsbroschüre vom statistischen Landesamt bei, die mir verrät, dass der komplette Vorgang bis zu diesem Punkt komplett dem vorgeschriebenen Vorgehen widerspricht.
Normalerweise hätte ich das Anschreiben und die Broschüre deutlich vor der Terminvereinbarung und erst recht vor dem Besuch durch den Erhebungsbeauftragten mit dem Fragebogen bekommen müssen. Insbesondere hätte das, so wie ich das sehe, nicht 3 Tage vor dem Stichtag passieren dürfen. Fristgerecht ist in meinen Augen was anderes…

Aber fassen wir meine Beobachtungen noch mal zusammen:

  • Ich habe den Fragebogen und die ganzen Unterlagen ohne jede Überprüfung meiner Personalien erhalten. Wir standen zu diesem Zeitpunkt mit 5 Personen auf dem Balkon, 4 davon Männer in meinem Alter. Im Prinzip hätte das Ding also jeder mitnehmen können, ich hätte das im schlimmsten Fall noch nicht mal mitbekommen
  • An keiner Stelle wurde mir deutlich gemacht, dass hier ein Verwaltungsakt vollzogen wurde. Ich musste den Erhalt der Unterlagen noch nicht mal quittieren.
  • Ich werde in einem knappen Schrieb auf eine Auskunftspflicht aufmerksam gemacht, mir wird sogar mit Strafe gedroht – ohne dass da mein Name irgendwo drauf steht!
  • Eine direkte telefonische Abstimmung eines Termins mit dem Interviewer entspricht nicht dem in den öffentlichen Informationsquellen genannten Vorgehen. Ich hätte zunächst eine Terminankündigung bekommen müssen.
  • Stichtag für die Zählung ist der 09.05., die Befragung soll regulär ab dem 15.05. erfolgen – und ich habe die erste Information überhaupt darüber am 06.05. bekommen, zu einer Zeit, in der sehr viele Menschen Freitags vermutlich nicht zu Hause sind.

Ich kenne die Gesetze zu dem Ganzen nicht gut genug, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man auf der Basis schon mal Widerspruch einlegen könnte, zumindest wegen Form und Frist der Benachrichtigung.
Außerdem hat die Aktion mein Vertrauen in den weiteren Ablauf nicht unbedingt gesteigert. Wenn schon bei der Information und Terminvereinbarung so schlampig vorgegangen wird (ein anderes Wort fällt mir leider nicht ein), was soll ich dann erst von der Aufbewahrung, Übermittlung und Auswertung meiner sensiblen, personenbezogen Daten erwarten?

Also im Moment erwarte ich nur das beste…

Jedenfalls habe ich erst mal einen Brief an die zuständige Stelle (als Ansprechpartner auf dem Anschreiben genannt) aufgesetzt. Die sollen mir jetzt erst mal formell korrekt bestätigen, dass ich tatsächlich den Fragebogen ausfüllen muss. Mal schauen, was da an Antwort kommt. So wie bisher jedenfalls – da könnte ja wirklich jeder kommen.

Briefumschlag Zensus 2011

Hier mal ein Bild des Briefumschlages. Der sieht noch genau so aus, wie ich ihn bekommen habe. Leer, unverschlossen und handschriftlich adressiert – noch nicht mal die vollständige Adresse hat es bis drauf geschafft.

UPDATE (2011-05-31)

Habe heute eine Antwort erhalten. Eine Standard-Antwort. In der auf keine meiner Fragen eingegangen wird. Per eMail.
Aber immerhin habe ich jetzt eine Telefonnummer. Morgen gleich noch mal nachfragen, ob die den Brief a) gelesen und b) verstanden haben.