Nachdem ICQ mal wieder an den Protokolleinstellungen gedreht hat und anscheinend langsam aber sicher versucht, Multi-Messanger als Clients loszuwerden, bin ich zunächst mal auf den Jabber-Transport umgestiegen.
Allerdings stelle ich mir momentan die Frage, wie es im Instant-Messaging-Bereich eigentlich weitergehen soll.

Eigentlich ist die Ganze IM-Geschichte ja ein Kind der Jahrtausenwende – ich als stolzer Inhaber einer 8-stelligen ICQ-Nummer kann mich noch gut daran erinnern – ICQ, AIM, MSN & Co., das gehört irgendwie zum “developing web” wie Altavista, Geocities, Message Boards, Minutentarif und Napster. Und irgendwie will dieses Konzept, zumindest in meiner Gedankenwelt, nicht so richtig in die Welt von Social Networking, Apps und mobile Computing passen. In einer Welt, in der meine Freunde und Bekannte sowieso die meiste Zeit zumindest erreichbar sind, ist der Mehrwert eines IM-Clients ja eher gering, wenngleich er natürlich weiter als Chat-Ersatz und Status-Update-Tool sinnvoll ist.
Nur stelle ich mir persönlich die Frage, wie es damit nun im Sinne eines Geschäftsmodells weitergehen soll – insbesondere den proprietären Netzwerken gestehe ich keine allzu lange Lebenserwartung mehr zu. Zumal ich in dem Bereich auch keine echte Weiterentwicklung sehe – bestenfalls wird uns Instant Messaging der alten Schule einfach aus Gewohnheit und als praktisches Tool erhalten bleiben – siehe SMTP.
Nur: Eine Zukunftstechnologie ist es mit Sicherheit nicht.

Echtes Potential für den Lösungsansatz “Instant Messaging” als solches sehe ich eher in anderen Bereichen, nämlich eingebettet in umfassendere Lösungen – sei es als mobile Chat-Plattform, als stabiles Übertragungsmedium in sozialen Netzwerken oder vollständig integriert in einen “Power-User-Desktop”. Allerdings haben hier offene Protokolle à la XMPP/Jabber eindeutig die Nase vorn. Klar: es ist viel Einfacher, die Technologie in vorhandene oder sich entwickelnde Lösungen einzubetten – selbst wenn einem der Anbieter nicht noch Steine in den Weg legt so wie ICQ. Außerdem werden sich die zum Teil noch abgeschotteten Netzwerke in Zukunft öffnen müssen; ich will auch mit meinen Freunden bei Facebook kommunizieren können, ohne mich direkt dort anzumelden. Und zu guter Letzt werden die unterschiedlichsten Endgeräte mit den unterschiedlichsten Betriebssystemen zu versorgen sein. Das kann eine Software-Firma allein gar nicht vollständig abdecken.
Im Endeffekt ist es mir als Anwender doch wurscht, mit welchem Protokoll und welchem Programm ich kommuniziere. Ich will es nur auf meinem Endgerät tun können und zwar so, wie ich will – und nicht so, wie es eine komische Firma mir vorschreibt.

Meiner Meinung nach haben die ganzen proprietären Anbieter wie z.B. ICQ in Zukunft eigentlich nur zwei Möglichkeiten:
1) Sich extrem spezialisieren und durch technologischen Vorsprung in einem ganz bestimmten Bereich punkten – siehe Skype.
2) Sich selbst und damit den kompletten Datenbestand an Facebook oder Google verkaufen, was im Endeffekt auf einen Umstieg auf XMPP und die oben beschriebene Integration hinausläuft.

Wenn ich so genauer drüber nachdenke: Interessanterweise ist ICQ das einzige noch “überlebende” Tool dieser Art, welches nicht von einer “großen” Firma mitgeschleift wird – evtl. kommt hier das Ende schneller als erwartet.
Obwohl – ein bisschen traurig wäre es schon. Vor allem, wenn man sich >13 Jahre lang an einer 8-stelligen Nummer festgeklammert hat.