Wie versprochen gibt es jetzt auch den zweiten Teil meines “kurzen” Reiseberichts.

Nachdem wir alle Attraktionen in und um unseren Ferienort abgeklappert hatten, wurde es Zeit, den Rest des Eilandes genauer zu erforschen.

Die Nordküste

Eigentlich war unsere Idee, in einer großen Schleife die Nordküste bis “geht nich mehr weiter” (siehe meinen kurzen Post aus dem Urlaub) abzufahren (mit halten an sehenswerten Orten), uns dann in das nördliche Gebirge zu schlagen und auf dem Rückweg dem Teide noch einen Besuch abzustatten.

Natürlich hat das nicht ganz so geklappt, aber dazu gleich mehr. Wir starteten die Küstentour also und fuhren zunächst Richtung Westen in den Ort “Icod de los Vinos” (ja, da wird Wein angebaut…), wo ein kanarischer Drachenbaum steht, der 1000 Jahre alt sein soll. Nun können diese Bäume tatsächlich sehr alt werden, allerdings bilden sie keine Jahresringe und so etwas wie Geschichtsschreibung kam erst im 15. Jahrhundert mit den Spaniern auf die Insel, also ist die Sache mit den 1000 Jahren nur eine echt gewagte Behauptung. Allerdings steht das Ding da mindestens so lange wie ein Kloster nebenan, also mindestens 370 Jahre – das ist ja auch schon mal was. Leider entpuppte sich die Super-Attraktion als, naja, Drachenbaum, weshalb wir nur kurz ein Foto gemacht haben und dann noch schnell einen Abstecher in die Pfarrkirche des Ortes, die wirklich sehr Sehenswert ist.

Die haben da ein 2m großes, 50 Kilo schweres Kreuz stehen. Aus Silber. Geschmiedet. Ziemlich beeindruckend. Genau so wie die ganzen anderen Sachen – Altäre, Schreine, Priesterkleidung und sonstige Accesoires. Interessant außerdem: Die Heiligenfiguren haben dort grundsätzlich echte Kleidung an (nicht wie hierzulande nur entsprechend geschnitzt/bemalt), und auch bei denen ist nicht an Pracht gespart worden.
Scheint ein einträgliches Geschäft zu sein, die Sache mit dem Wein. Und den Bäumen.

Unsere nächste Station war das kleine Städtchen Garachico – ein echter Geheimtipp, denn diese sehr schön gelegene Stadt ist Touristisch praktisch nicht erschlossen, d.h. es gibt auch keine Bausünden, die das Stadtbild verschandeln könnten – entsprechend präsentiert sich der Ort sehr ruhig und angenehm. Die ursprüngliche Stadt und der Hafen wurden 1706 bei einem Vulkanausbruch zerstört, es wurde aber danach alles wieder aufgebaut. Übrig geblieben ist nur ein kleines Kastell (die schien es damals als Fertigbau-Lösung zu geben – irgendwie sehen die alle gleich aus) und ein Stückchen Stadttor, des in einer kleinen Parkanlage integriert wurde. Man muss vom heutigen Straßenniveau ca. 5-6m (!) nach unten laufen. Ansonsten hat die Stadt nichts besonderes zu bieten, außer einem natürlichen Meerwasserschwimmbad. Nach dem Vulkanausbruch bildeten sich da, wo vorher der Hafen war, lange, praktisch parallele Felszungen im Meer, die vor dem Wellengang schützen und mit Wegen und Brücken verbunden sind.
Nichts besonderes ist hier übrigens nicht negativ gemeint – das Städtchen ist einfach nur schön. Und ruhig.

Nach einem erfrischenden Aufenthalt fuhren wir weiter Richtung Westen – genau genommen so weit, bis es nicht mehr weiter ging. Am nordwestlichsten Zipfel der Insel steht ein Leuchtturm auf einer Landzunge, zu dem man über eine enge und kurvenreiche Küstenstraße (Küste heißt in diesem Fall “in die Klippen gebaut”) erreichen kann. Allein die Anfahrt ist schon ein Erlebnis.
Und der Ort selbst lohnt den Besuch in jedem Fall – während in alle (verbleibenden) Richtungen das Gebirge steil ins Meer abfällt, hat sich durch einen Vulkanausbruch dort ein Stück “flaches Land” gebildet, das aber aufgrund der abgelegenen Lage ziemlich öde und verlassen ist – außer besagtem Leuchtturm gibt es nur ein paar Häuser und einen kleinen Windpark. Wind und Wellengang sind naturgemäß sehr stark, obwohl es auch eine geschützte Bucht und eine kleine Bademöglichkeit gibt.
Ist schon ein interessantes Gefühl, zu wissen, dass in praktisch alle Richtungen erst mal lange Zeit nix mehr kommt – hinten ein karges fleckchen Land, alle Pflanzen vom ständigen starken Sturm und dem Salzwasser zu undefinierbaren, Buschartigen Dingern deformiert. Und nach vorne – Wasser, nix als Wasser.

Nachdem wir uns an der Landschaft satt gesehen hatten, ging es über erwähnte Straße wieder zurück, die bei der Zweiten Fahrt viel weniger dramatisch wirkt. Eigentlich war unser weiterer Plan, der Empfehlung unseres Reiseführers zu folgen und in “das schönste Bergdorf der Insel” zu fahren. Leider gestaltete sich die Anfahrt da hin extrem ermüdend – es ist wirklich ein Bergdorf, in das nur eine verschlungene, Enge, Serpentinenreiche Passstraße führt. Und wenn man die dann auch noch fast komplett hinter einem Reisebus herzuckeln muss, kann das einem schon ein wenig die Lust verderben. Als Overkill erwarteten uns in Masca – so heißt das Dorf – auch noch mehrere weitere Busladungen Touristen. Da war leider nicht an ausruhen und genießen zu denken. Entsprechend sind wir direkt weiter gefahren (noch mehr Serpentinen) und kamen satte 2 1/2 Stunden später in Santiago del Teide an. Eigentlich wollten wir von da aus noch zum Teide fahren, leider waren wir beide so geschafft, dass wir kurz entschlossen diesen Punkt verschoben haben und (über die Schnellstraße) direkt zum Hotel zurück gefahren sind.
Immerhin haben wir noch einige “schöne Aussichten” vom westlichen Teno-Gebirge mit zerklüfteten Landschaften und “Hochalpiner” Natur mitnehmen können. An dem ein oder anderen Aussichtspunkt hätte man zu späterer Stunde vielleicht sogar Mufflons (oder so was ähnliches) sehen können.

Teide

Wie gesagt hatten wir den Besuch am Teide verschoben – wie sich allerdings herausstellte, war das gar nicht so schlecht. Dafür sollte man sowieso einen ganzen Tag einplanen.
Der Teide ist mit 3.718 Meter immerhin der höchste Berg Spaniens und befindet sich am Nordrand eines riesigen Einsturzkraters – das ganze Gebiet ist ein Nationalpark, und obwohl die Gegend relativ gut erschlossen ist, sollte man schon bedenken, dass man ins Hochgebirge fährt. Ergo: Entsprechend Kleidung und ausreichend Sonnenschutz eingepackt, Wanderschuhe angezogen, Sonnencreme mit hohem LSF eingepackt und Schwupps ins Auto gesprungen – wenn man drüber nachdenkt, sollte man so eine Tour wirklich nicht am Ende eines ohnehin anstrengenden Tages machen.

Bevor wir unser eigentliches Ziel ansteuerten, haben noch mal in La Orotava halt gemacht. Die Stadt liegt etwas oberhalb von Puerto de la Cruz mitten im saftig grünen (und dich bebauten) Orotava-Tal. Leider hat uns die Stadt total enttäuscht. Langweilig und ohne Charme, entsprechend sind wir nicht lange geblieben. Die weitere Fahrt war aber der Knüller. Eigentlich sollte sich das jeder mal selbst anschauen – wie so vieles. Jedenfalls führt die Zufahrtsstraße erst noch durch einige Städte und Dörfer, aber nach ein paar Kilometern befindet man sich auf ca. 600m und damit schon an der Wolkengrenze. Der Passat treibt eigentlich ständig niedrig hängende Wolken gegen die Nordhänge des Teide-Massivs, hier fällt auch sehr viel Niederschlag. Entsprechend ändert sich die Landschaft: Während weiter unten Bananenplantagen und Weinberge an der Straße liegen, fährt man dann durch subtropischen Regenwald – es gibt keine Siedlungen mehr, und der dichte Nebel (an wolkigen Tagen) gibt dem ganzen eine ganz eigenwillige Stimmung – umso grandioser ist es natürlich, wenn man ein Stück (und einige Höhenmeter weiter oben) wieder aus den Wolken heraus kommt. Auf einmal reißt der Nebel auf, der Himmel ist Tiefblau, die Luft extrem klar – und man befindet sich mitten in einem dichten Kiefernwald. Ende August ist auf Teneriffa mit die wärmste Zeit des Jahres, und auf dieser Höhe kommt die angenehm Kühle Brise von der Küste nicht mehr an. Es ist also praktisch windstill, und die Sonne knallt ungebremst herunter. In der prallen Mittagssonne geben die Fichtennadeln anscheinend sehr viel Feuchtigkeit ab – es riecht wie in der Sauna nach dem Aufguss 😉
Einziger Wermutstropfen: Eine gute Aussicht gab es für uns nicht – wir konnten nur von oben auf die Wolken gucken.

Das wäre ja schon spektakulär genug, allerdings kommt die Hauptattraktion natürlich noch – auf etwas über 2000 Meter (ja, genau – so hoch kann man in Deutschland gar nicht kommen) ist die Baumgrenze erreicht und man betritt den oben erwähnten Einsturzkrater – das ist der vulkanisch noch aktive Teil der Insel und entsprechend sieht es dort auch aus. Außerdem fällt innerhalb der “Cañadas” anders als an den Außenhängen praktisch kein Regen und die exponierte Lage führt zu extremen Temperaturunterschieden. Außerdem ist es da auch wieder windig. Sehr windig. Entsprechend sieht die Landschaft auch aus: Je nachdem, wann ein Gebiet zum letzten Mal bei einem Ausbruch von frischer Lava zugedeckt worden ist, wechseln sich karge, Hochalpine Steppenlandschaft, noch kargere, hochalpine Steinwüste und völlig leblose Mondlandschaft ab. Hier gibt es jetzt nicht mehr viele Pflanzen und praktisch keine Tiere, von ein paar Insekten und den allgegenwärtigen Eidechsen mal abgesehen. Ein guter Teil der Pflanzen da oben kommt auch nur dort vor – alles in allem ein fast unwirklicher Ort.
Direkt an der Nationalparksgrenze gibt es ein gut gemachtes Besucherzentrum, in dem man viele Informationen zur Entstehungsgeschichte und Vulkanismus erhalten kann, außerdem hat man einen schönen Lehrpfad angelegt, an dem man sich die dort lebenden Pflanzen und Tiere anschauen kann.

Weiter ging es zum Fuß des Teide, von wo aus dankenswerter Weise eine Seilbahn bis fast zum Gipfel fährt. Bis ganz nach oben kann man nur im Rahmen einer geführten Wanderung, zu der man sich aber vorher anmelden muss. Außerdem hätten wir beide das eh nicht geschafft: Die Bergstation ist auf 3550m, das ist mal locker der höchste Punkt, an dem wir beide bisher waren (außer im Flugzeug).
Die Sonne ist auch am späten Nachmittag noch erbarmungslos – eine Mütze ist unbedingt notwendig. Trotzdem ist es auf der Höhe auch schon recht kühl – mit kurzer Hose hätten wir sicherlich gefroren – im Schatten war es sogar richtig kalt. Hinzu kommt ein echt unangenehmer, schneidender Wind. Und natürlich ist die Luft da oben sehr dünn und furztrocken. Es gibt auch zwei kürzere Wanderwege, die öffentlich sind und nicht zum Gipfel führen, aber das ist doch eher was für Hochgebirgserfahrene – wir haben jedenfalls nach 100m schlapp gemacht und uns nur wieder zurück zur Station und den zugehörigen Aussichtsplattformen geschleppt.

Zur Aussicht selbst muss ich wahrscheinlich nichts weiter schreiben als: HAMMER! Erstmal sieht man von oben das riesige Ausmaß dieser Landschaft, im Hintergrund die Wolken (von oben!) und das tiefblaue Meer. Hieran kann man sich gar nicht satt sehen – allerdings sind die Nächte da oben wahrscheinlich echt unangenehm und außerdem macht das viele Staunen auch Hunger und Durst. Also sind wir mit der letzten Seilbahn wieder nach unten gefahren und haben uns noch auf den Weg zum einzigen Hotel im Nationalpark gemacht, welches interessanter Weise dem spanischen Staat gehört. Dort haben wir uns jeweils ein Eis gegönnt und uns in Laufweite noch die “Roques de Garcia” – eine bizarre Felsformation mit wiederum genialem Ausblick angeschaut.
Eigentlich hatten wir vor, einen dort verlaufenden Wanderweg noch abzulaufen, aber so langsam haben uns die dünne Luft, das unangenehme Klima und der hereinbrechende Abend dann doch zum umkehren bewogen.

So, WordPress sagt mir: 1720 Wörter. Das heißt wohl, ich sollte noch mal eine Pause einlegen und den letzten Teil des Reiseberichts auf später Vertagen – ich hoffe, ihr seht es mir nach 😉