Das hier ist die längere Version eines Kommentars, den ich eigentlich zu Martins Artikel zum Thema schreiben wollte.

Seit Google mit ChromeOS ernst macht (oder es zumindest den Anschein hat) trifft man im Netz immer mal wieder auch auf negative Reaktionen. Aus den unterschiedlichsten Gründen scheint die ganze Idee nicht überall so gut anzukommen.
Dabei macht das alles auf den ersten Blick doch einen guten Eindruck. Für Netbooks ist das Thin-Client Konzept ja eigentlich wie gemacht. Und wenn man jetzt noch alles aus einer Hand bekommt, sauber aufeinander abgestimmt und dann auch noch Open Source? Was soll daran denn so schlimm sein?
Okay, Datenschutz. Keine Diskussion. Natürlich ist es fragwürdig, alle eigenen Daten einer anonymen Firma zur Verfügung zu stellen, die auch noch offen zugibt, alles automatisiert auszuwerten. Aber wenn mans mal aus Risikosicht betrachtet: Google befindet sich hier in einem echten Abhängigkeitsverhältnis. Die verdienen nur Geld, wenn “wir” (bzw. deren User) ihnen weiterhin ihre Daten zur Verfügung stellen – haben ergo ein ureigenes Interesse, dass mit den Daten kein Unsinn getrieben wird. Vor dem Hintergrund kann man natürlich trefflich eine ethische Diskussion führen – aber wenn ich einer Firma meine Daten anvertrauen würde, dann noch am ehesten der “Datenkrake”.
Das Monopolargument dagegen ist ein bisschen obstlastig. Gerne wird ja hier auf Microsoft verwiesen. Allerdings wird da gerne vergessen, dass beide Firmen völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle haben. Äpfel und Birnen also.

Ich sehe ChromeOS aus etwas anderen Gründen skeptisch: Die User werden in eine Abhängigkeit manövriert, die potentiell sehr gefährlich sein kann – für beide Seiten. Klar kann ich das GoogleOS nur zum surfen verwenden – Google zielt aber eindeutig auf etwas anderes. Wenn man schon das OS benutzt und nen Google-Account zum einloggen verwenden kann, liegt es ja nahe – zu nahe – auch die ganzen Google Tools zu benutzen, die mir ja dann auch einiges an Komfort bieten.
Und hier liegt der Hund begraben.
Bisher haben einige Leute nen gmail-Account, fast alle nutzen die Suche und Maps (aber da eher ohne Account) und die groups oder so was haben sicher auch nen gewissen Nutzerstamm. Wenn man jetzt anfängt, auf dem Umweg Browser/OS Leute zu den eigenen Diensten zu zerren verändert man das Verhältnis zu den Nutzern gravierend – von freiwilligen zu gezwungenen Anwendern. Und das kann böse nach hinten losgehen. Für den User ist erstmal alles praktisch und gut – das böse Erwachen kommt erst dann, wenn er seinen ganzen Kram vielleicht in einer anderen Applikation nutzen will und das nicht hinbekommt, weil die auf seinem OS nicht läuft oder er schlicht seine Daten aus Google nicht mehr raus bekommt.
Und für Google besteht immer die Gefahr, dass tatsächlich mal was schief geht. Bisher hatten die Jungs ja Glück – aber wenn wirklich mal ein größerer IT-Gau in den G-Servern stattfindet, reagieren “gezwungene” User völlig anders als freiwillige.

Bisher haben Google-Anwendungen immer durch Qualität gepunktet und User gefunden – oder eben nicht (siehe Docs). Und im besten Fall bleibt das auch so. Bei Computerprogrammen und vor allem im Internet ist Freiheit etwas sehr wichtiges. Das ganze funktioniert nur deshalb so gut, weil man frei Dienste und Applikationen kombinieren kann. das fördert Wettbewerb und Innovation. Offenes System halt. Und bei ChromeOS sehe ich die große Gefahr, dass das am Ende zwar oberflächlich noch “offen” und “frei” aussieht, de facto aber eine proprietäre Plattform ist.

Immer, wenn ein Hersteller damit anfängt, den Usern seinen Kram Huckepack mit den eigenen Killer-Apps aufs Auge zu drücken, spielt er ein gefährliches Spiel, an dessen Ende es immer nur einen echten Gewinner gibt.
Ich glaube Google ja, dass sie nicht böse sein wollen. Aber die Gefahr, dass sie es trotzdem sind, ist einfach zu groß.