Fertig-PCs
Eine der unausweichlichen Pflichten eines abgeschlossenen Informatikstudiums ist zweifelsohne, den kostenlosen PC-Support für die komplette Verwandtschaft sowie alle näher bekannten zu übernehmen, die das nicht selbst können.
Nun mach ich das nicht seit gestern, habe also schon einiges gesehen, aber in letzter Zeit hatte ich mit ein paar neueren PCs (teilweise sogar aus dem Fachhandel, sprich nicht von Aldi) zu tun und konnte echt nur mit dem Kopf schütteln. Okay, dass die meisten User zu einem gewissen Messietum, was installierte Programme angeht, leiden, ist ja nichts neues.
Dass Microsoft-Betriebssysteme Messietum unterstützen bzw. von sich aus schon dazu neigen, ist ja auch bekannt.
Dass ein Großteil der Programme einen völlig nutzlosen Daemon mitbringen, der sich ungefragt im System-Tray einnistet und fröhlich die RAM-MBs gleich im dutzend wegknuspert – geschenkt.
Mit der entsprechend Erfahrung weiß man ja dann schon, auf was man zu achten hat und wo man am besten nachschaut, wenns irgendwo hakt.
Was ich aber absolut nicht nachvollziehen kann, ist, dass dieses Rumgemülle auf Festplatte und Speicher heutzutage ja schon im Werk beginnt. Und das nimmt bisweilen abstruse Ausmaße an.
Wenn man schon ein vorinstalliertes Windows auf die Kisten klatschen muss, dann wäre ich als Hersteller doch zumindest bestrebt, diese Installation halbwegs ordentlich konfiguriert und _aufgeräumt_ an meine Kunden auszuliefern. Die haben immerhin ein paar hundert Euro dafür ausgegeben – da kann man ihnen zumindest ein System verkaufen, dass nicht von Anfang an schon total ausgebremst ist.
Ich kann ja noch verstehen, dass die Hersteller einen Antivirus oder ein Security-Paket vorinstallieren. Dass es dann meistens der Symantec-Müll ist, den man nicht wieder los wird ist noch mal ne andere Sache.
Aber wenns dann an die Berge an Anwendungssoftware geht – da fehlt mir echt jedes Verständnis. Teilweise findet man dann ja sogar Sachen doppelt – ein DVD-Abspielprogramm und eine DVD-Authoring-Software mit Abspielfunktion. MS-Works und StarOffice. Nero und WinOnCD. Systemtools mit Funktionen, die 100% redundant zu den Windows-Bordmitteln sind. Von 2-3 Browser-Toolbars ganz zu schweigen.
Alles natürlich im Agent-Modus und beim ersten Start direkt im Tray, so dass das erste mal booten schon 5 Minuten dauert. Und einem die 1000 Programme direkt annerven: “Ich bin hier! Stell mich ein! Warum bin ich nicht Standard-Programm für XY?”
Die meisten Anwender haben sich mittlerweile durchaus Ihre Lieblingsprogramme zusammengesucht und können die selbst installieren. Aber so sitzt man erst mal 6 Stunden vor der Kiste – Mediaplayer runter (2x), VLC drauf. Norton runter, Kaspersky drauf. Works und StarOffice runter und MS-Office drauf. Und und und. Und wenn man damit fertig ist, kann man direkt nen Registry Cleaner runterladen und erst mal aufräumen.
Der absolute Oberknüller ist aber: Wenn man sich doch entscheidet, einen Teil der beiliegenden Software zu benutzen, ist die oft genug sogar nur eine Testversion. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich kauf mir einen PC für 600€ und nach ein paar Tagen fängt die Software da drauf an, noch zusätzlich Kohle zu verlangen. Ich muss dann also im dümmsten Fall erstmal die evtl. nur eingeschränkt nutzbare Testversion einer Anwendung deinstallieren, um dann meine evtl. vorhandene Vollversion DERSELBEN Anwendung installieren zu können.
Spätestens hier würde ich mir als Kunde ziemlich Verarscht vorkommen.
Liebe PC-Anbieter, ich habe nur ein paar kleine Bitten an euch.
- Wenn Ihr schon Windows auf den Büchsen vorinstallieren müsst, lasst es doch bitte bei einer Basisinstallation
- Packt die Zuatzsoftware einfach auf CD dazu oder von mir aus auch als Installer auf die Festplatte. Wer sie dann nutzen will, kann Sie ja dann einfach installieren
- Liefert eure PCs nicht mit Testversionen irgendwelcher Tools aus. Die Dinger sind für das was drin steckt schon gut bezahlt, da müsst ihr euch nicht noch von irgendwelchen Software-Firmen auf dem Rücken eurer Kunden subventionieren lassen
- Wenn ihr schon einen Virenscanner vorinstalliert, sorgt zumindest dafür, dass die Signaturen halbwegs aktuell sind. Ein Virenscanner mit Signaturen von vor 12 Monaten nutzt mir nix
- Und wenn ihr schon dabei seid: Liefert doch auch das Windows auf nem halbwegs aktuellen Patchlevel aus
Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, fast immer das Vorinstallierte Windows komplett platt zu machen und eines frisches aufzusetzen. Das empfehle ich auch bei Nachfragen inzwischen grundsätzlich (bzw. als zweite Option nach “Linux benutzen” ;)).
Nix da von wegen “Auspacken, einschalten, loslegen”. Das kriegt – so schwer es mir fällt das zu sagen – wirklich nur Apple halbwegs hin.

