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Sat, 2009-11-28, 00:38

Wolkige Verheißungen

by Timm

Das hier ist die längere Version eines Kommentars, den ich eigentlich zu Martins Artikel zum Thema schreiben wollte.

Seit Google mit ChromeOS ernst macht (oder es zumindest den Anschein hat) trifft man im Netz immer mal wieder auch auf negative Reaktionen. Aus den unterschiedlichsten Gründen scheint die ganze Idee nicht überall so gut anzukommen.
Dabei macht das alles auf den ersten Blick doch einen guten Eindruck. Für Netbooks ist das Thin-Client Konzept ja eigentlich wie gemacht. Und wenn man jetzt noch alles aus einer Hand bekommt, sauber aufeinander abgestimmt und dann auch noch Open Source? Was soll daran denn so schlimm sein?
Okay, Datenschutz. Keine Diskussion. Natürlich ist es fragwürdig, alle eigenen Daten einer anonymen Firma zur Verfügung zu stellen, die auch noch offen zugibt, alles automatisiert auszuwerten. Aber wenn mans mal aus Risikosicht betrachtet: Google befindet sich hier in einem echten Abhängigkeitsverhältnis. Die verdienen nur Geld, wenn “wir” (bzw. deren User) ihnen weiterhin ihre Daten zur Verfügung stellen – haben ergo ein ureigenes Interesse, dass mit den Daten kein Unsinn getrieben wird. Vor dem Hintergrund kann man natürlich trefflich eine ethische Diskussion führen – aber wenn ich einer Firma meine Daten anvertrauen würde, dann noch am ehesten der “Datenkrake”.
Das Monopolargument dagegen ist ein bisschen obstlastig. Gerne wird ja hier auf Microsoft verwiesen. Allerdings wird da gerne vergessen, dass beide Firmen völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle haben. Äpfel und Birnen also.

Ich sehe ChromeOS aus etwas anderen Gründen skeptisch: Die User werden in eine Abhängigkeit manövriert, die potentiell sehr gefährlich sein kann – für beide Seiten. Klar kann ich das GoogleOS nur zum surfen verwenden – Google zielt aber eindeutig auf etwas anderes. Wenn man schon das OS benutzt und nen Google-Account zum einloggen verwenden kann, liegt es ja nahe – zu nahe – auch die ganzen Google Tools zu benutzen, die mir ja dann auch einiges an Komfort bieten.
Und hier liegt der Hund begraben.
Bisher haben einige Leute nen gmail-Account, fast alle nutzen die Suche und Maps (aber da eher ohne Account) und die groups oder so was haben sicher auch nen gewissen Nutzerstamm. Wenn man jetzt anfängt, auf dem Umweg Browser/OS Leute zu den eigenen Diensten zu zerren verändert man das Verhältnis zu den Nutzern gravierend – von freiwilligen zu gezwungenen Anwendern. Und das kann böse nach hinten losgehen. Für den User ist erstmal alles praktisch und gut – das böse Erwachen kommt erst dann, wenn er seinen ganzen Kram vielleicht in einer anderen Applikation nutzen will und das nicht hinbekommt, weil die auf seinem OS nicht läuft oder er schlicht seine Daten aus Google nicht mehr raus bekommt.
Und für Google besteht immer die Gefahr, dass tatsächlich mal was schief geht. Bisher hatten die Jungs ja Glück – aber wenn wirklich mal ein größerer IT-Gau in den G-Servern stattfindet, reagieren “gezwungene” User völlig anders als freiwillige.

Bisher haben Google-Anwendungen immer durch Qualität gepunktet und User gefunden – oder eben nicht (siehe Docs). Und im besten Fall bleibt das auch so. Bei Computerprogrammen und vor allem im Internet ist Freiheit etwas sehr wichtiges. Das ganze funktioniert nur deshalb so gut, weil man frei Dienste und Applikationen kombinieren kann. das fördert Wettbewerb und Innovation. Offenes System halt. Und bei ChromeOS sehe ich die große Gefahr, dass das am Ende zwar oberflächlich noch “offen” und “frei” aussieht, de facto aber eine proprietäre Plattform ist.

Immer, wenn ein Hersteller damit anfängt, den Usern seinen Kram Huckepack mit den eigenen Killer-Apps aufs Auge zu drücken, spielt er ein gefährliches Spiel, an dessen Ende es immer nur einen echten Gewinner gibt.
Ich glaube Google ja, dass sie nicht böse sein wollen. Aber die Gefahr, dass sie es trotzdem sind, ist einfach zu groß.

Wed, 2009-11-18, 11:39

Fertig-PCs

by Timm

Eine der unausweichlichen Pflichten eines abgeschlossenen Informatikstudiums ist zweifelsohne, den kostenlosen PC-Support für die komplette Verwandtschaft sowie alle näher bekannten zu übernehmen, die das nicht selbst können.

Nun mach ich das nicht seit gestern, habe also schon einiges gesehen, aber in letzter Zeit hatte ich mit ein paar neueren PCs (teilweise sogar aus dem Fachhandel, sprich nicht von Aldi) zu tun und konnte echt nur mit dem Kopf schütteln. Okay, dass die meisten User zu einem gewissen Messietum, was installierte Programme angeht, leiden, ist ja nichts neues.
Dass Microsoft-Betriebssysteme Messietum unterstützen bzw. von sich aus schon dazu neigen, ist ja auch bekannt.
Dass ein Großteil der Programme einen völlig nutzlosen Daemon mitbringen, der sich ungefragt im System-Tray einnistet und fröhlich die RAM-MBs gleich im dutzend wegknuspert – geschenkt.
Mit der entsprechend Erfahrung weiß man ja dann schon, auf was man zu achten hat und wo man am besten nachschaut, wenns irgendwo hakt.

Was ich aber absolut nicht nachvollziehen kann, ist, dass dieses Rumgemülle auf Festplatte und Speicher heutzutage ja schon im Werk beginnt. Und das nimmt bisweilen abstruse Ausmaße an.
Wenn man schon ein vorinstalliertes Windows auf die Kisten klatschen muss, dann wäre ich als Hersteller doch zumindest bestrebt, diese Installation halbwegs ordentlich konfiguriert und _aufgeräumt_ an meine Kunden auszuliefern. Die haben immerhin ein paar hundert Euro dafür ausgegeben – da kann man ihnen zumindest ein System verkaufen, dass nicht von Anfang an schon total ausgebremst ist.

Ich kann ja noch verstehen, dass die Hersteller einen Antivirus oder ein Security-Paket vorinstallieren. Dass es dann meistens der Symantec-Müll ist, den man nicht wieder los wird ist noch mal ne andere Sache.
Aber wenns dann an die Berge an Anwendungssoftware geht – da fehlt mir echt jedes Verständnis. Teilweise findet man dann ja sogar Sachen doppelt – ein DVD-Abspielprogramm und eine DVD-Authoring-Software mit Abspielfunktion. MS-Works und StarOffice. Nero und WinOnCD. Systemtools mit Funktionen, die 100% redundant zu den Windows-Bordmitteln sind. Von 2-3 Browser-Toolbars ganz zu schweigen.
Alles natürlich im Agent-Modus und beim ersten Start direkt im Tray, so dass das erste mal booten schon 5 Minuten dauert. Und einem die 1000 Programme direkt annerven: “Ich bin hier! Stell mich ein! Warum bin ich nicht Standard-Programm für XY?”

Die meisten Anwender haben sich mittlerweile durchaus Ihre Lieblingsprogramme zusammengesucht und können die selbst installieren. Aber so sitzt man erst mal 6 Stunden vor der Kiste – Mediaplayer runter (2x), VLC drauf. Norton runter, Kaspersky drauf. Works und StarOffice runter und MS-Office drauf. Und und und. Und wenn man damit fertig ist, kann man direkt nen Registry Cleaner runterladen und erst mal aufräumen.

Der absolute Oberknüller ist aber: Wenn man sich doch entscheidet, einen Teil der beiliegenden Software zu benutzen, ist die oft genug sogar nur eine Testversion. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich kauf mir einen PC für 600€ und nach ein paar Tagen fängt die Software da drauf an, noch zusätzlich Kohle zu verlangen. Ich muss dann also im dümmsten Fall erstmal die evtl. nur eingeschränkt nutzbare Testversion einer Anwendung deinstallieren, um dann meine evtl. vorhandene Vollversion DERSELBEN Anwendung installieren zu können.
Spätestens hier würde ich mir als Kunde ziemlich Verarscht vorkommen.

Liebe PC-Anbieter, ich habe nur ein paar kleine Bitten an euch.

  • Wenn Ihr schon Windows auf den Büchsen vorinstallieren müsst, lasst es doch bitte bei einer Basisinstallation
  • Packt die Zuatzsoftware einfach auf CD dazu oder von mir aus auch als Installer auf die Festplatte. Wer sie dann nutzen will, kann Sie ja dann einfach installieren
  • Liefert eure PCs nicht mit Testversionen irgendwelcher Tools aus. Die Dinger sind für das was drin steckt schon gut bezahlt, da müsst ihr euch nicht noch von irgendwelchen Software-Firmen auf dem Rücken eurer Kunden subventionieren lassen
  • Wenn ihr schon einen Virenscanner vorinstalliert, sorgt zumindest dafür, dass die Signaturen halbwegs aktuell sind. Ein Virenscanner mit Signaturen von vor 12 Monaten nutzt mir nix
  • Und wenn ihr schon dabei seid: Liefert doch auch das Windows auf nem halbwegs aktuellen Patchlevel aus

Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, fast immer das Vorinstallierte Windows komplett platt zu machen und eines frisches aufzusetzen. Das empfehle ich auch bei Nachfragen inzwischen grundsätzlich (bzw. als zweite Option nach “Linux benutzen” ;)).
Nix da von wegen “Auspacken, einschalten, loslegen”. Das kriegt – so schwer es mir fällt das zu sagen – wirklich nur Apple halbwegs hin.

Sat, 2009-11-07, 21:30

Update Kubuntu 9.10: Ein kurzer Erfahrungsbericht

by Timm

Im Gegensatz zu anderen Leuten bin ich Kubuntu treu geblieben und habe über die letzten Tage brav den Koala auf meine Rechner gepackt. Und weil ich kein Weichei und überdies ziemlich faul bin, hab ich natürlich nicht frisch installiert, sondern mich direkt am Update versucht.

Und was soll ich sagen – ich war echt positiv überrascht. Mal abgesehen von ein paar kleineren (durchaus Herzstillstand-verursachenden, nachher mehr dazu) Problemen hat das alles wirklich gut geklappt. Ich hab einige Updateversuche und anschließenden Reparaturorgien der letzten Jahre noch in schmerzlicher Erinnerung. Aber beim aktuellen gibts da eigentlich recht wenig zu mäkeln. Wollen wir mal hoffen, dass es so bleibt ;-)

Auf dem Laptop
Die Installation auf meinem Schleppi ist an sich recht übersichtlich gehalten und hat schon unter Jaunty ohne nennenswerte Eingriffe meinerseits recht problemlos funktioniert. Hinzu kommt, dass die Kiste noch recht neu ist und noch recht wenig Ballast mit sich rumschleppt. Entsprechend problemlos war das Update: 2x OK klicken, 40 Minuten warten, fertig.
Das wars.
Wirklich.
Selbst die Sache mit den Lokalisierungen haben die Jungs anscheinend hinbekommen – nach dem Update meldet sich ein kleines Tool und fragt, ob man die nötigen deutschen Language Files nachinstallieren will. Jaja, ich weiß, hätten sie beim Distri-Backen gleich von Anfang an die vollständigen, richtigen Übersetzungen genommen usw. usf. wäre das nicht nötig gewesen, aber davon mal abgesehen eine echt gute Sache.

Ich musste tatsächlich nichts weiter machen, als den WPA-Key fürs heimische WLAN noch mal raussuchen und neu eingeben. Wooo!

Auf dem Desktop
Nachdem mich das Update auf dem Schleppi ja total enttäuscht, um nicht zu sagen gelangweilt hat, hatte ich zumindest beim Desktop-PC auf ein paar Informatikergeeignete Stolperfallen gehofft. Und was soll ich sagen – ich bin zunindest nicht ganz enttäuscht worden.
Immerhin ist die Kiste mit Software-RAID, manueller Netzwerk-Konfig, einigen Servern und Diensten sowie Highend-AMD-Grafikkarte ein bisschen komplizierter konfiguriert. Und außerdem “lebt” die Kubuntu-Installation hier seit 7.10 und hat schon 2 Hardware-Upgrades überstanden, ohne je komplett sauber neu aufgesetzt zu werden. Versucht so was mal mit dem Microsoft-OS!
Aber ich hatte auch aufgrund einiger installierter Pakete (z.B. Amarok 1.4) ein bisschen Bammel.
Dennoch lief hier auch erstmal alles glatt. Installation lief locker durch, aber nach dem Reboot der erste Schock: Das Software-RAID war weg. Weg.

Ich benutze für das Sofware-RAID mdadm bzw. den MD-Treiber des Linux Kernels. War bisher immer völlig Problemlos – nur jetzt ließ sich das RAID beim booten nicht starten und auch händisch nicht mehr zum Leben erwecken.
Seltsam war, dass die logischen Partitionen mit dem RAID-Containern in /dev gar nicht erst auftauchen wollten. Noch seltsamer war, dass es mit einem der älteren Kernel (Statt 2.6.31) problemlos funktionierte.
Naja, das Problem also erstmal hinten angestellt, den 2.6.27er Kernel benutzt und mal weiter geschaut.

Da mir sowas natürlich keine Ruhe lässt, hab ich dann noch mal geschaut und festgestellt, dass komischerweise der “DM-Raid”-Kerneltreiber für Pseudo-RAIDs (wie z.B. in Mainboard-Chipsätzen) aktiv ist und auch ein Array gemappt bzw. dieses versucht hatte. Da man ja glücklicherweise selten mit seinen Problemen alleine ist, konnte ich das Problem doch noch lösen. Und das am selben Abend ;-)

Ansonsten kam hier auch die Lokalisierungsmeldung und das Tool hat es tatsächlich geschafft, meine hier seit Hardy verwurschtelte KDE-Lokalisierung wieder in die Reihe zu bekommen.
Desweiteren habe ich gelernt, dass man bei Konfig-Dateien, die man selbst _nicht_ angepasst hat, die Nachfrage beim Update immer mit “durch neue Version ersetzen” beantworten sollte.
So ganz ohne MySQL machts dann doch keinen Spaß.

Alles in allem haben mich die Updates jeweils nicht mal einen Abend gekostet, das finde ich schon mal extrem positiv. Die neue Version an sich finde ich auch gut. Upstart macht einen guten Eindruck, und mit kann man 4.3 der neuen KDE so langsam mal das Prädikat “fertig” geben. Hier hat es einige sinnvolle Erweiterungen und Verbessurungen gegeben. Das leicht überarbeitete Notification-System (nicht das von Ubuntu, sondern das KDE-eigene) gefällt mir jetzt viel besser, der Network Manager übrigens auch. Akonadi scheint jetzt etwas besser integriert zu sein, wobei ich da noch ein bisschen meine Nase reinstecken muss, ich hab da so ein, zwei coole Anwendungsideen im Hinterkopf.

Als nächstes steht Windows 7 an. In der VM läufts schon mal – ich bin aber mal gespannt, wie lange ich da brauche, bis ich eine funktionierende, brauchbar eingestellte Installation habe. Update von XP scheidet ja (leider?) aus, von daher wird es keinen direkten Vergleich geben ;-)