Schandflecke
Und jetzt mal etwas komplett anderes: Lokalpolitik.
Was in letzter Zeit immer häufiger mal hochkommt ist die Diskussion um sog. “Schandflecke”. Letztes Jahr hatte die Gemeindeverwaltung schon mal einen Batzen Geld in die Hand genommen, um so was zu beseitigen.
Die Situation: Ein Grundstücksbesitzer lässt ein/mehrere Gebäude (z.B. eine Brandruine) ungenutzt vor sich hin vergammeln – sowas sieht nicht schön aus, schadet also dem Gesamteindruck. Nun kann man als Gemeinde es einfach so lassen. Oder: für nicht unerheblich viel Geld das Anwesen kaufen und für nicht minder viel Geld Renovierung/Abriss/Umgestaltung selbst übernehmen.
Es freut sich der ehemalige Inhaber – er ist seinen Schrott los und hat zusätzlich nicht zu knapp Asche rausschlagen können.
Und – na klar – sobald eine Gegend von einem solchen Schandfleck befreit ist, wollen die anderen natürlich auch behoben sein. Wäre ja sonst auch ungerecht, insbesondere wenn man in ner Flächengemeinde lebt, in der jeder Ortsteil auf seine Pfründe besteht.
Okay, eigentlich jeder freut sich, wenn unschöne Flecken mal aufgehübscht werden, und wenns überhand nimmt, muss eine Stadt/Gemeinde wohl wirklich gegensteuern, bevor sich eine Art Abwärtsspirale in Gang setzt – Stichwort Broken Windows Theorie.
Nur: Hier ist der Knackpunkt. Ich wohne nun schon lange in Freigericht, kenne aber auch andere Ortschaften ganz gut – und von einem Überhandnehmen heruntergekommener Immobilien kann nun wirklich nicht die Rede sein. Wie überall gibt es hier sehr schöne und weniger schöne Flecken – aber alles in allem ist das Freigericht eigentlich ziemlich idyllisch und ich denke, allzu viel Handlungsbedarf besteht hier eigentlich nicht.
Hinzu kommt: Im konkreten Fall, um den es gerade geht, würde ich das Objekt noch nicht mal als “Schandfleck” bezeichnen. Ein unbewohntes Haus, 50er-Jahre-Stil. Nicht besonders Hübsch, ein bisschen Farbe könnte nicht schaden und an der einen Wand hat sich jemand mit Grafitti verewigt.
Also wirklich schlimm ist es nicht – ich kenne bewohnte Häuser, die deutlich schlimmer aussehen.
Und jetzt soll wohl eine hübsche Rasenfläche draus gemacht werden. Irgendwie habe ich das Gefühl, das Geld könnte besser investiert werden.
Naja. Was solls. Vielleicht liegt mein Missfallen auch einfach daran, dass ich es hier so mag, wie es ist – auch “Schandflecke” machen einen Ort so ein bisschen aus. Wenns überall nur schöne Rasenflächen und fesche, renovierte Häuser gäbe, wär das schon irgendwie langweilig.
Oder?

