OOXML und die ISO
Es ist der Aufreger des Tages:
Office Open XML ist seit heute offiziell ISO-Standard. Damit hat sich das Internationale Normungsinstitut nicht nur bis auf die Knochen blamiert, auch der mehr als nur dubiose Abstimmungsprozess und die sehr Fragwürdige Rolle, welche von den nationalen Normungsinstituten gespielt wurde, werden in diesem konkreten Fall ans Licht gespült.
Hier zeigt sich mal wieder, was viele Menschen schon sehr lange an der ISO (und ihren Nationalen Pendants) kritisieren: Der Politische Einfluss auf die Verabschiedung von Standards ist einfach zu groß – mittlerweile so groß, dass die Standardisierung in einigen Bereichen schon schädlich ist.
So auch im konkreten Fall – der OOXML-Standard ist 6000 Seiten lang und praktisch nicht noch mal umzusetzen – da brauche ich auch keinen Standard. Man muss Microsoft wirklich gratulieren – das haben sie in der Tat gut durchgepaukt.
Ich denke übrigens nicht, dass im größeren als üblichen Rahmen schwarze Köfferchen gewandert sind. Denn eine Standardisierung um des Standards willen ist in diesem Fall ja nicht nur in Microsofts Interesse. Behörden und Öffentliche Einrichtungen auf der ganzen Welt können somit ganz einfach behaupten, die von Ihnen eingesetzte (Microsoft-) Software sei bereits Standardkonform.
Gewinner auf beiden Seiten: MS kann sein Monopol im Office-Markt leichter Verteidigen, und öffentliche Stellen müssen sich in einem Punkt weniger für den Einsatz von MS-Produkten rechtfertigen. Von daher denke ich nicht, dass es schwer war, die Politik in zahlreichen Ländern auf Microsofts Seite zu ziehen.
Im Prinzip verliert also nur die Technik und die Idee, welche eigentlich hinter so was wie internationalen Standards steckt. Aber danach wird ja sowieso zunehmend weniger gefragt.
EDIT: Man kann sich über die ISO-Entscheidung aufregen. Aber über solchen Unsinn muss man sich aufregen.
Oh mein Gott, wie wenig Ahnung kann man haben?


Ich war schneller:
http://campino2k.de/2008/04/02.....hr-ahnung/
Comment by .campino2k — Wed, 2008-04-02 @ 21:49
Ich hab niemanden schwarze Köfferchen unterstellt. Ich dachte bei meinem Post eher an Vorgänge wie in Schweden, wo plötzlich ganz viele MS Partner plötzlich bei der Standardisierung mitspielen – sich vorher nicht interessieren, sich danach nicht dafür interessieren und OpenXML das ja bekommt.
Die FAZ ist nicht die einzige Zeitung die solch einen Unsinn schreibt. Spiegel Online war gestern nicht besser…
Comment by Martin — Thu, 2008-04-03 @ 09:22
Schwarze Köfferchen braucht man da niemandem unterstellen, die gehören prinzipiell dazu
Was ich eigentlich sagen will, ist, dass Microsoft wahrscheinlich gar nicht so viel Druck ausüben musste bzw. der Druck hauptsächlich auch von anderer Seite gekommen sein dürfte.
Comment by Timm — Thu, 2008-04-03 @ 21:46