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Wed, 2007-09-26, 15:57

Denkmäler

by Timm

Schweben tut der allseits geliebte Problem-Stoi-bär ja momentan auf Wolke 7 äh Transrapidmasig und so. Immerhin hat er so endlich sein Denkmal.

In Bayern hat mans ja eh etwas dicker stecken als in anderen Gegenden. Nur mal zum Vergleich: das komplette Projekt “Berlin Brandenburg International” kostet genau so viel wie die geplante Münchner Bahnstrecke.
Der Ausbau des Flughafens Frankfurt (Landebahn Nord, Terminal 3, Erweiterung und Modernisierung Terminal 1) ist bis 2015 mit 1,5 Milliarden veranschlagt.
Der gesamte europäische Anteil am ITER-Testreaktor beläuft sich auf deutlich unter einer Milliarde.

Nun kann man sich darüber streiten, ob die 1,85 (+ X) Milliarden anders besser angelegt wären und ob sie überhaupt reichen usw. Ich gehe übrigens fest davon aus, dass diese Diskussion uns noch einige Zeit beschäftigen wird.

Viel interessanter ist aber der Transrapid an sich: Technisch eindeutig eine Meisterleistung, aber gleichzeitig ein über Jahrzehnte gefördertes Projekt, dessen Sinnlosigkeit eigentlich von Anfang an hätte klar sein müssen. Ich meine: Alle Eisenbahngesellschaften der Welt warten nur darauf, endlich ihre abertausend Kilometer Gleise wegschmeißen und durch Transrapidtrassen ersetzen zu dürfen, die auch noch 10 mal so viel kosten wie neue Gleise und Züge.
Klar ist es toll, in 10 Minuten äh in den Hauptbahnhof in äh München einsteigen zu können, aber wenns mit der S-Bahn 20 dauert… So what? Ist nicht unbedingt mit Transatlantikflug vs. Dampfschiff vergleichbar…
Magnetschwebebahnen sind nettes Spielzeug zum angeben, mehr aber auch (noch lange) nicht. Und zu mehr sollte man sie auch (noch) nicht machen. Vielleicht ist irgendwann mal die Zeit reif für diese Technik, aber ich sehe das ehrlich gesagt nicht.

Das ganze Projekt “Transrapid” lässt sich in eine lange Reihe von verfehlter deutscher/europäischer Wirtschaftsförderung erzeugter “Errungenschaften” einreihen, die mit erstaunlicher Zielsicherheit die echten “Zukunftstechnologien” ignoriert bzw. behindert und stattdessen Milliarden in technologische Sackgassen pumpt. Ich sag da nur Atomenergie.

Aus irgendeinem Grund glauben viele - in so ziemlich allen Parteien - dass sich der Staat einmal “gute” Technologien aussuchen und nur diese Fördern sollte, um seine Forschung und Industrie zu unterstützen. Andere, nicht so imposante Entwicklungen (Mikroelektronik, anyone?), die evtl. mehr Potenzial haben gehen dabei Erfahrungsgemäß unter.

Und am Ende steht man dann mit ner tollen Schwebebahn da, die keiner braucht, keiner will und keiner bezahlen kann. Und kommt viellecht (?) zu der Feststellung, dass die Technik doch nicht so toll ist, obwohl wir sie Jahrzehnte lang mit Milliarden gefördert haben.

2 Comments »

  1. Angsichts der vielen Forschungsmilliarden finde ich es schon gut, dass es nun eine Strecke geben soll. Aber hätte es gerade München-München Flughafen sein müssen? Ich denke der Transrapid wäre eine gute Alternative zum Ausbau der ICE-Trassen gewesen. Tja die Chance hat die Politik vertan. Erfolgreich wird der Transrapid wohl im Ausland werden, wo es noch kein Eisenbahnnetz gibt: China, USA, Arabien, etc.

    Comment by Martin — Wed, 2007-09-26 @ 16:31

  2. Auf der anderen Seite können “normale” Züge auf “normalen” Schienen in “solchen Ländern” durchaus auch 300-400km/h fahren. Vor allem bei langen Strecken ist das halt viel billiger.

    Das Problem beim Transrapid ist, dass ein Großteil der Technik in den Schienen sitzt. Ergo kostet hier jeder Kilometer, weshalb es für die Langstrecke (noch) sehr unwirtschaftlich ist. Zumindest im Vergleich zur normalen Eisenbahn, bei der die kosten pro km mit der Streckenlänge immer kleiner werden.

    Comment by Timm — Wed, 2007-09-26 @ 21:34

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