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Mon, 2007-04-30, 21:09

Web 0.0

by Timm

Schon vor ein paar Tagen hat mich jemand auf diesen sehr interessanten Beitrag zum Thema deutsche Politik und Internet aufmerksam gemacht (mein Dank geht an dieser Stelle an Florian).

Ich wollte eigentlich die ganze Zeit schon etwas zu dem ganzen Themenkomplex schreiben, und der verlinkte Artikel könnte mir die Worte nicht besser aus dem Mund nehmen.

Die Frage, die ich mir dabei immer wieder stelle ist, warum es sich diese Berufspolitiker herausnehmen, einer bedeutenden Gruppe potenzieller Wähler (und bedeutender Unternehmen) ins Gesicht zu sagen: “Dieser Internet-kram von dem ihr so viel haltet – ist mir Scheißegal. Will ich nix mit zu tun haben”.

Selbst wenn diese Herren (und Damen?!?) wirklich keine Ahnung und keinen Bock auf Internet haben, würde ich zumindest erwarten, dass sie es für sich behalten. Das ist auch der einzige Bereich, in dem Spitzenpolitiker, Vorstandsvorsitzende und andere “wichtige Leute” (== Berufsschwätzer) offen zugeben, dass sie in einem Gebiet, in dem sie keine Kompetenz haben – und auch keine haben wollen – sehr wichtige Entscheidungen treffen.
Und nun ist das Internet nicht irgendeine abstruse Entwicklung im Bereich der Plasmaphysik, sondern DIE Technologie, welche das 21. Jahrhundert prägt und prägen wird. Nicht umsonst halten sich die Politiker in anderen Ländern mit solchen Aussagen stark zurück – selbst wenn sehr viele von denen sich vermutlich auch nicht besser damit auskennen.

Nur in Deutschland wird über DIE Zukunftstechnologie mit DEN größten Wachstumschancen geredet, als sei sie nicht wichtig und nur was für verwirrte Pickelgesichter. Zumindest hört es sich oftmals so an.
Kein Wunder, dass sowas wie der Beckstein dabei rauskommt.

Doch die Frage bleibt: WARUM tun die sich selbst sowas an, sich für einen Großteil der Bevölkerung als Vollidioten, Technologiefeinde und Leute-von-vorvorgestern hinzustellen.
Meine Theorie ist, dass sie sich für die angebliche Mehrheit der “älteren” menschlicher machen wollen. Nur leider gibt es keine Mehrheit, für die das Internet Teufelszeug ist. Ein nicht unbedeutender Teil der deutschen Internet-User ist über 60. Und selbst die, welche sich nicht aktiv damit auseinandersetzen wollen, sehen es in großen Teilen keinesfalls als Teufelswerk an.

Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass irgendjemand will, dass Politiker, Vorstände und andere Dummschwätzer Entscheidungen zu etwas treffen, von dem sie nach eigenem Bekunden keine Ahnung haben.

Aber vielleicht sollte man auch einfach mal dankbar für ein kleines bisschen Ehrlichkeit sein ;-)

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