Nachbericht Weimar
Da ich mein übermäßiges Schlafdefizit jetzt endlich überwunden habe und somit auch wieder in der Lage bin, einigermaßen klar zu denken, kommt hier nun der Nachbericht zu Weimar. Waren zwei echt schöne Tage, auch wenn man den Donnerstag als blanken Hohn bezeichnen kann. Es hat NUR geschneit. Und wenn ich sage geschneit, dann meine ich einen Dauerschneesturm vom Feinsten. Dementsprechend effektiv war es dann auch, sich Buchenwald anzuschauen. Obwohl anschauen hier echt übertrieben ist, denn sehen konnte man draußen etwa zwei Meter weit und lange in einem der Gebäude aufhalten wollten wir uns verständlicherweise auch nicht, weil es dort schon ziemlich hart ist. War einerseits schade, da Buchenwald sicherlich einen Besuch wert ist, andererseits war ich so auch seelisch nicht völlig zerstört, als wir in Weimar angekommen sind (solche Sachen gehen mir nämlich ziemlich nahe).
In Weimar haben wir uns dann ins Schillerhaus geflüchtet, was schon ziemlich toll ist. Der Mann hat nur nachts geschrieben und dementsprechend jede Nacht ca. 10 Tassen Kaffee getrunken. Sehr geil, ich als alter Koffeinjunkie steh nämlich voll auf Kaffee. Wenn er dann irgendwann nachmittags aufgestanden ist, hat er sich ordentlich Wein hinter die Binde gekippt, ungefähr einen Liter pro Tag, ein Drittel seines Jahreseinkommens hat der Mann versoffen. Im Goethehaus, das wir am nächsten Tag besichtigt haben, gings da schon elitärer zu. Nicht nur, dass es fast doppelt so groß ist wie das von Schiller, es ist auch nach der Farbenlehre gestaltet, während im Schillerhaus überall knallbunte,gemusterte Pop-Art Tapeten hängen. Die waren nämlich zu deren Lebzeiten gerade in Mode und machen einen übrigens total kirre, wenn man sich zu lange in einem Raum aufhält. Tja, Goethe war halt stinkreich, wohingegen Schiller immer sparen musste (außer bei der Sauferei natürlich). Den restlichen Freitag Vormittag haben wir uns dann bei strahlendem Sonnenschein Weimar angeschaut. Die Stadt ist wirklich total schön und interessant, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, vor allem wenn die Anna Amalia Bibliothek wieder etröffnet ist.
Aber so wie sich das für eine Kursfahrt gehört, war die abendliche Betätigung dann weniger kulturell. Während unsere Lehrer eine Kneipentour gemacht haben, sind wir lieber im Trockenen geblieben und haben uns mit dem mitgebrachten Alkohol vergnügt. War alles ganz locker, denn unsere Jugendherberge, sehr schick im Luxusviertel von Weimar gelegen, war nicht nur extrem nobel ( Große Zimmer mit Bädern), sondern auch,naja, etwas anders. Oder wart ihr schonmal in einer Jugendherberge, in der durchgängig die ganze Nacht Bier und Klopfer verkauft werden und die den Kippenautomat direkt vor der Tür hat? Nun, nach der Feststellung, dass fast 10 Liter mitgebrachter Alkohol für eine Nacht doch leicht übertriben sind, haben wir uns an dessen Vernichtung gemacht. Es wurde im Endeffekt eine extrem lange, sehr lustige Nacht mit lauter Musik, noch lauterem Geschrei ( betrunken Tabu spielen ist sehr spaßig) und später auch sehr, hmm, tiefsinnigen Gesprächen. Und dank der toleranten Herberge und unsreren lockeren Lehrern hat es dann im Endeffekt auch keinen Anschioss gesetzt, sondern nur einen ordentlichen Kater.

