Stellt euch mal folgende Situation vor:
Ich habt ein neues Handy. Mit Kamera und allem Schnickschnack, klaro. Nun möchtet ihr gerne dieses eine, besondere Lieblingslied als Klingelton benutzen, welches ihr schon seit ihr zurückdenken könnt auf CD zu Hause und natürlich auch als MP3 auf dem Rechner habt.
Klingt ja gar nicht mal so abwegig. Jedenfalls erging es meiner Mutter genau so.
Also kriegt natürlich der Timm den Auftrag, bewusstes Lied irgendwie auf das Handy zu befördern. Und so begann heute um 13:30 mein heiliger Kreuzzug gegen Handyhersteller und Netzbetreiber.
Aber von Anfang an. Voller Verzückung stellte ich fest, dass besagtes Mobiltelefon in der Lage ist, MP3s als Klingeltöne abzuspielen und – was ja noch toller ist – einen simplem Mini-USB-Stecker als Anschluss besitzt.
Also: Eines der Myriaden USB-Kabel geschnappt, die hier rumliegen. Handy anschließen, als Wechseldatenträger erkennen lassen, MP3 ins richtige Verzeichnis werfen, fertig. Easy-Peasy, in 2 Minuten erledigt.
Zumindest war das der Plan.
Nachdem sich allerdings das kleine Schmuckstück unter Linux gar nicht melden wollte, dämmerte mir schon, dass es so einfach wohl nicht gehen würde. Also das böse andere Betriebssystem einer Firma aus Redmond hochgefahren und hier mein Glück versucht.
Leider verlangt das Handy nach Anschluss an die USB-Schnittstelle nach Treibern. Die Homepage des Herstellers schweigt sich aus, und das Handbuch spricht kryptisch von einer Software CD, welche sich allerdings nicht im Lieferumfang befindet.
Also die Hotline des Resellers angerufen und nachgefragt. Die CD wird vom Netzbetreiber aus der Packung entfernt, da die Verfügbarkeit von PC-Software anscheinend irgendwie nicht ins Geschäftskonzept passt.
Aha.
Der Hersteller – nennen wir ihn mal Motorola – spielt das Spiel natürlich fröhlich mit und bietet die passende Software für das Handy für lockere 50€ zum Nachkaufen an – hurra!
Zum Glück, kann ich das, was ich am besten kann, immer noch ganz gut und nach einigem googlen stieß ich auf eine Seite, die ich Aufgrund der “unsicheren rechtlichen Lage” hier vorsichtshalber weder verlinke noch erwähne.
Jedenfalls gibts dort gecrackte Treiber, “freie” Firmware, kostenlose Synchro-Software usw.
Und was soll ich sagen: Es funktioniert! Aus den zwei Minuten sind halt irgendwie zwei Stunden geworden, aber was solls.
Mein Fazit jedenfalls steht fest: Netzbetreiber und Handy-Hersteller sind Verbrecher. Alle. Wie können Leute nur Produkte kaufen, deren Funktionalität derart eingeschränkt ist?